KI guckt Film über KI

Künstliche Intelligenz bringt es schon weit im künstlerischen Bereich. Doch ein aktueller Filmtrailer zeigt, wo die Grenzen liegen – noch.

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Das Thema künstliche Intelligenz fasziniert die Filmbranche schon seit langem. Angefangen etwa bei Blade Runner und Tron, über Terminator bis hin zu Matrix, Her und Ex Machina. Luke Scott, Sohn von Blade Runner-Regisseur Ridley Scott, gesellt sich jetzt in diese Reihe. Er setzt den Film "Das Morgan Projekt" (voraussichtlicher Kino-Start in Deutschland 1.12.2016) in Szene. Darin ist es Wissenschaftlern gelungen, einen künstlichen Menschen zu erzeugen. Dieses Morgan genannte Wesen entwickelt sich in der Folge schneller und intelligenter als ihre menschlichen Schöpfer, weswegen es offenbar im Labor festgehalten werden muss.

Scott, beziehungsweise die Produktionsfirma 20th Century Fox hat dem Film nun eine interessante Meta-Ebene hinzugefügt: In einer Partnerschaft mit IBM Research ließ man einen Trailer erstellen. Die Szenen dafür wählte aber nicht ein menschliches Team aus, sondern die Künstliche Intelligenz IBM Watson. Als Datengrundlage dienten dem Maschinen-Lern-System 100 Trailer von anderen Horrorfilmen und Thrillern. Diese untersuchte Watson nach verschiedenen Kriterien: Visuelle Analyse (verknüpft die Personen einer Szene mit einer Kategorie von 24 Emotion, um die Wirkung einer Szene einordnen zu können), Audio-Analyse (um zu lernen, wie sich die Emotionen in der Stimmlage der Schauspieler und der Musik der Szene widerspiegeln) und Analyse der Komposition der Szene (um die Drehplätze herauszufinden, die üblicherweise in Horrorfilmen verwendet werden).

Das Ergebnis ist ein circa 60-sekündiger Einspieler mit emotional bewegenden bis spannungssteigernden Szenen. Alles drin, was ein guter Horrorstreifen braucht, könnte man meinen. Beeindruckend ist auch, dass Watson von der Analyse des 90-minütigen Films bis zum fertigen Trailer (den immer noch menschliche Cutter zusammenschneiden mussten) nur 24 Stunden benötigte. Laut IBM-Forscher John R. Smith fallen bei einer herkömmlichen Filmplanung 10 bis 30 Tage dafür an.

So gelungen der KI-Trailer in puncto Komposition der Szenen auch ist, es bleibt ein Nachteil – ohne Vorwissen versteht man nicht, worum es in dem Film genau geht. Kontext und Inhalt der Geschichte bleiben Watson verschlossen. Das dürfte auch der Grund sein, warum der KI-Trailer nicht als offizieller Trailer zum Film firmiert. 20th Century Fox setzt da offenbar doch lieber auf die menschliche Kreativität. Doch es dürfte ein Leichtes sein, auch die Sprachanalyse und somit den Kontext in die Film-Analyse mit einzubinden. Somit steht vielleicht noch nicht der nächste KI-Kubrik-Film ins Haus, aber ein erster Schritt in Richtung Effektivität in der Filmbranche ist damit demonstriert. Das dürfte zumindest die Produktionsfirmen freuen. (jle)