Bulmahn: Zu viele Nachwuchsforscher wandern ab

Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) will jetzt ausgewanderte deutsche Spitzenwissenschaftler aus dem Ausland wieder zurĂĽckholen.

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  • dpa

SPD und GrĂĽne sehen die deutsche Forschung nach Jahren der HaushaltskĂĽrzungen sowie der Stagnation wieder im Aufwind. Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) will jetzt ausgewanderte deutsche Spitzenwissenschaftler aus dem Ausland wieder zurĂĽckholen. Dies kĂĽndigte sie am Donnerstag in der Bundestagsdebatte um den Forschungsbericht der Bundesregierung an. Die CDU/CSU warnte die Koalition dagegen vor zu viel Selbstlob: Die Weichen fĂĽr die erkennbare Besserung seien schon unter ihrer FĂĽhrung in der letzten Legislaturperiode gestellt worden.

Bulmahn verwies darauf, dass 12 bis 14 Prozent aller in Deutschland promovierten Nachwuchswissenschaftler in die USA abwanderten. Deutsche Hochschulen böten ihren Absolventen zwar eine hervorragende Ausbildung für den internationalen Arbeitsmarkt, aber zu wenig interessante Arbeitsplätze im eigenen Land, kritisierte Bulmahn. Die Dienstrechtsreform mit einer leistungsorientierten Bezahlung und neue Stellen für Junior-Professoren sollten dabei Abhife schaffen. Damit werde Deutschland auch für ausländische Nachwuchswissenschaftler wieder attraktiv.

"Lassen sie uns auch den alten Zopf der Habilitation abschneiden", forderte Bulmahn. Junge Nachwuchswissenschaftler sollten heute schneller eigenständig lehren und forschen könnten. Der forschungspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Gerhard Friedrich (CSU), räumte ein, dass die Mehrheit der Wissenschaftsorganisationen für die Abschaffung dieses deutschen Sonderwegs beim Einstieg in den Professorenberuf sei. In den Hochschulen vor Ort werde dies aber häufig anders gesehen. Er mahnte deshalb zur Behutsamkeit.

Die Vorsitzende des Bundestags-Forschungsausschusses, die FDP-Politikerin Ulrike Flach, bescheinigte der Regierungskoalition, bei den Forschungsinvestitionen langsam wieder den Anschluss an das internationale Niveau zu finden. "Deutschland hat aufgeholt", sagte Flach. Dennoch liege die Bundesrepublik seit zehn Jahren bei den Pro-Kopf-Ausgaben fĂĽr Forschung noch immer hinter den USA und Japan. Amerika habe gerade seinen Forschungsetat um 14 Prozent gesteigert. Daran mĂĽsse sich die deutsche Regierung messen lassen.

Der Bericht macht deutlich, dass zwischen 1989 und 1997 die Aufwendungen von Staat und Wirtschaft für Forschung und Entwicklung in der Bundesrepublik stagnierten. Mit Pro-Kopf-Ausgaben von 511 US-Dollar lag Deutschland 1997 weit abgeschlagen hinter Japan (715 US-Dollar) und den USA (794 US-Dollar). Der neue SPD-Forschungssprecher Jörg Tauss wie auch Hans-Josef Fell (Grüne) verwiesen dabei auf die "gewaltigen Steigerungen" des Bildungs- und Forschungsetats nach 1998, allein in diesem Jahr um 9,5 Prozent auf knapp 16 Milliarden Mark.

Dem zollten auch die Oppositionsparteien in der zweistündigen Debatte grundsätzlich Anerkennung. Friedrich beklagte allerdings, dass die Hochschulforschung dabei nicht mithalten könne. Ihr Anteil bei der Förderung von Forschung und Entwicklung sinke sogar. Auch habe die neue Bundesregierung ihre Investitionen in die Weltraumforschung deutlich zurückgefahren. Maritta Böttcher von der PDS beklagte die großen Ausgabensteigerungen für die Gen-Forschung. Dies sei eine "Risiko-Technik" wie die Kernenergie.

Bulmahn kündigte weitere umfassende Reformen auch in der Struktur der deutschen Forschungsorganisationen an. Der "jahrelange Stillstand war in Wirklichkeit ein Rückstand" sagte die Ministerin. Die Fusion von GMD und Fraunhofer-Gesellschaft schaffe die leistungsstärkste Forschungseinrichtung für Informationstechnik in Europa. In Zukunft will Bulmahn die pauschale Förderung der Forschungsorganisationen weiter zurückdrängen – zu Gunsten von mehr Projektförderung. Dabei sollen sich die einzelnen Institute bei Ausschreibungen im Wettbewerb um die Forschungsgelder des Staates bewerben. (dpa) / ()