Schneller, Propeller!
Drohnenrennen gelten als neuer Trendsport. Videobrillen geben den Piloten das Gefühl, an Bord ihrer Geräte mitzufliegen und die rasanten Manöver am eigenen Leib mitzuerleben.
- Joseph Scheppach
Begleitet von treibenden Technobeats sausen LED-bestückte Flugkörper zwischen engen Torbögen hindurch, schlagen Haken in Haarnadelkurven, bremsen und beschleunigen wieder – schneller als ein Porsche. Beim bisher größten Drohnenrennen der Welt in Dubai führten 150 Teams vor, zu welch waghalsigen Manövern ihre Fluggeräte fähig sind.
Der World Drone Prix war der vorläufige Höhepunkt einer Trendsportart, deren Beliebtheit rasant wächst. Allein in den USA existieren inzwischen drei Verbände für den Drohnensport: die International Drone Racing Association, die US Drone Racing Association und die Drone Racing League (DRL).
Letztere will verbindliche Rennstandards schaffen und in diesem Jahr sechs öffentliche Wettkämpfe durchführen. Zudem hat Videobrillen-Hersteller Fat Shark für Sommer 2016 ein Drohnenrennen mit über 100 Piloten angekündigt. Auch Profipiloten gibt es bereits. Sie tragen im Oktober in Hawaii ihre erste Weltmeisterschaft aus. Manche sehen in den Rennen sogar schon eine Art Formel 1 für die Generation der E-Sport-Fans.
"Der Flug fühlt sich wie Star Wars an", schwärmte der 15-jährige Brite Luke Bannister, der den Wettkampf in Dubai gewann und dafür ein Preisgeld von 250000 Dollar erhielt. Im FPV-Modus ("First-person view") überträgt eine in Flugrichtung schräg nach unten gerichtete Onboard-Kamera ihre Aufnahmen live an Videobrillen. So fühlt sich der Pilot, als sei er selbst an Bord.
Da das Auge im virtuellen Cockpit allerdings keinen festen Bezugspunkt hat und das Gleichgewichtsorgan keinerlei Bewegung meldet, können die nervenaufreibenden Kurvenfahrten schnell zu Übelkeit und Schwindel führen – selbst für die Piloten. Sie steuern ihre Geräte daher meist im Sitzen. Noch übler kann es einen Betrachter erwischen, der per Brille live dabei sein will, denn er ist den rasanten Manövern passiv ausgeliefert.
Mit bloßem Auge lassen sich die schnellen Drohnen allerdings kaum verfolgen. "Dieses Handicap bei Live-Veranstaltungen steht Drohnenrennen auf dem Weg zum Massensport im Weg", sagt Hervé Pellarin vom französischen Airgonay-Drohnen-Club. Die DRL wählt deshalb einen anderen Weg: Zusätzlich zur Pilotenkamera, die absolut verzögerungsfrei arbeiten muss und deshalb nur eine niedrige Auflösung schafft, gibt es eine HD-Kamera an Bord.
Deren Bilder werden später mit anderen Aufnahmen zusammengeschnitten, mit Kommentaren versehen und im Internet veröffentlicht. Aus einem 90-Sekunden-Flug wird dann schon mal ein Film von zehn Minuten Länge. Besonders spektakulär sind dabei die Crashs. Weil Unfälle an der Tagesordnung sind, haben Racer stets Heißkleber, Ersatzteile und Werkzeugkasten dabei.
"Die Drohnen sind meist selbst gebaute Konstrukte", erklärt Pellarin. "Doch sollten sie ungefähr baugleich sein, damit jeder Pilot ähnliche Voraussetzungen hat." Trotzdem haben die Racer gewisse Freiheiten, ihre Geräte zu tunen – etwa durch bessere Lager, ein zusätzli-ches Stabilisierungssystem ("Gimbal") oder WLAN-Repeater, die den Aktionsradius erhöhen.
Die Begeisterung für den neuen Rennsport schwappt auch nach Deutschland herüber: Auf der Cebit in Hannover fand kürzlich eines der ersten großen Drohnenrennen hierzulande statt, Ende April trafen sich die Racer zu einem FPV-Großevent in Leipzig. Und der nächste Wettkampf ist schon in Planung: Er soll im Sommer in Berlin starten. (bsc)