Rückschläge für Initiative zum Musik-Kopierschutz
Der geschäftsführender Direktor der Secure Digital Music Initiative (SDMI), gab seinen Rücktritt bekannt; im Web wurden Details zur SDMI-Technik und Angriffspunkte veröffentlicht.
Richard Chiariglione, geschäftsführender Direktor der Secure Digital Music Initiative (SDMI), hat gestern seinen Rücktritt bekannt gegeben. Kurz zuvor hatten zwei französische Hacker damit begonnen, ihre erfolgreichen Angriffe auf die SDMI-Technologien im Web zu dokumentieren.
Chiarglione nutzte das erste diesjährige Treffen der Initiative in Los Angeles, um seinen Rücktritt offiziell bekannt zu geben. Er erklärte, sich in den nächsten Monaten von seinem Posten zurückzuziehen und sich dann wieder mehr seinem eigentlichen Job bei der Forschungsabteilung der Telecom Italia zu widmen. Das SDMI-Konsortium konnte noch keine Angaben zu möglichen Nachfolgern machen.
Der Zeitpunkt des Abgangs ist für das SDMI-Projekt denkbar schlecht gewählt: Es befindet sich in seiner schwersten Krise seit seiner Gründung im Dezember 1998. Damals schlossen sich auf Initiative der Musikindustrie rund 180 Platten- und Technologiefirmen zusammen, um einen Standard für sichere Musikdistribution zu schaffen.
Doch bis heute gibt es noch keine SDMI-Geräte auf dem Markt und mit einem kontrovers diskutierten Hacker-Wettbewerb schoss sich die Initiative ein weiteres Eigentor, da sich gezeigt hat, dass die digitalen Wasserzeichen nur allzuleicht knackbar sind. Nun haben auch noch zwei französische Hacker, sozusagen außerhalb des Wettbewerbs, auf ihrer Anfang der Woche gestarteten Website genaue Details zu einer der vorgestellten Technologien veröffentlicht: Mögliche Angriffsmethoden werden hier ebenso erörtert wie die angenommene Funktionsweise des betreffenden Wasserzeichens.
Weitere Rückschläge für das Konsortium sind der Ausstieg der Freiburger Chiphersteller Micronas und die Präsentation eines neuen CD-Players von Sony, der neben normalen Audio-CDs auch selbst gebrannte CD-ROMs mit MP3s abspielen kann. Bis dahin galt Sony dank hauseigenem Plattenlabel als ausgemachter MP3-Feind. Ob diese Ereignisse in direktem Zusammenhang mit Richard Chiargliones Rücktritt stehen, ist nicht bekannt.
Mehr in Telepolis: SDMI kopfloser denn je (Janko Rörttgers) / (ame)