Cloud Foundry Summit Europe im Zeichen von Disruption, Offenheit und Erfolgen
Das über 700 Teilnehmer große Cloud Foundry Summit Europe brachte alle wichtigen Anwender und Freunde der Platform as a Service zusammen, um eine der jüngeren Erfolgsgeschichten der Softwareentwicklung zu feiern.
- Alexander Neumann
Auf dem diese Woche in Frankfurt am Main stattfindenden Cloud Foundry Summit Europe wurde klar, dass die quelloffene Platform as a Service (PaaS) Cloud Foundry gerade durch die Öffnung in Form einer Foundation zu einer der großen Erfolgsgeschichte der jüngeren Softwareentwicklung geworden ist.
Es ist gerade mal zweieinhalb Jahre her, dass das etwas zuvor von VMware abgespaltene Unternehmen Pivotal Cloud Foundry an eine gemeinnützige Organisation übertragen hat. Zum Start fanden sich mit Dell/EMC, Hewlett-Packard/HPE, IBM, Rackspace, SAP und VMware gleich etliche große Softwareunternehmen ein, die neue Cloud Foundry Foundation finanziell und personell zu unterstützen. Andere wie IBM, welches die PaaS bei Bluemix nutzt, folgten.
Erfolg in Zahlen
Den Erfolg untermauern Zahlen auf organisatorischer Seite wie mittlerweile 65 Mitglieder und 195 User Groups, aber auch Zahlen wie 2400 Contributoren, 130 Core Committer, unzählige neue Release sowie die Unterstützung und Integration mit allen wichtigen Cloud-Plattformen. Selbst dass die Veranstalter des Cloud Foundry Summit mehr als 700 Teilnehmer nach Frankfurt gezogen haben – über 200 mehr als noch vor einem Jahr in Berlin –, ist ein Indiz für die zunehmende Relevanz und Verbreitung der Cloud-Foundry-Plattform auch in Europa.
Unter den Besuchern, Rednern und Gästen fanden sich etliche große Unternehmensnamen wie Bosch, Volkswagen, Allianz und Siemens, die Cloud Foundry als Basis für die eigene Entwicklung oder als Cloud-Plattform nutzen. So kündigte Volkswagen an, zusätzlich zur noch jungen Nutzung von OpenStack als Private-Cloud-Umgebung eine Applikationsentwicklungsschicht auf Basis von Pivotals Cloud-Foundry-Implementierung zu schaffen. Als größter Vorteil für die Nutzung der Plattform wird eine beschleunigte Entwicklung wahrgenommen.
Offenheit in kaum gekannter Dimension
Gründungsmitglied SAP, das Cloud Foundry als Plattfom für die HANA Cloud nutzt, hat außerdem die Öffnung eines ersten Cloud Foundry Dojo in Walldorf bekannt gegeben. Das ist ein Cloud-Foundry-spezifisches Programm, über das in schneller Zeit Contributoren Committer-Status erhalten können, indem sie über sechs Wochen hinweg auf Basis offener Praktiken wie Extreme Programming (XP), Test-Driven Developement (TDD) und Continuous Integration sämtliches Wissen erhalten sollen, um danach regelmäßig selbstständig zu Cloud-Foundry-Projekten beitragen zu können. Das in Walldorf eingerichtete Lab ist das erste seiner Art in Deutschland. Es soll als innovatives Entwicklungszentrum für die Cloud-Foundry-Community in Europa dienen.
Die Offenheit, die auch Pivotal in seiner eigenen Entwicklung propagiert und selbst Auswirkungen auf die Zusammenarbeit mit und bei Kunden hat, bedeute laut Cornelius Schumacher von SUSE Linux, der selbst Erfahrungen mit dem Dojo-Programm gemacht hat, für viele Entwickler ein Umdenken, doch seien die schließlich gemachten Erfahrungen die intensive Schulung Wert.
In die Kerbe "Offenheit" schlugen Andreas Nolte, CIO der Allianz, und Daniel Poelchau. Letzterer steht der sogenannten Digital Factory vor, die das Versicherungsunternehmen Anfang des Jahres lanciert hatte, um den Forderungen nach Disruption in einem zunehmend digitalisierten Markt gerecht zu werden. Bei der Allianz wurden im Kontext der Digital Factory die Entwickungsteams komplett neu strukturiert. Die auch als Garage bezeichneten Labs in München und Stuttgart mit rund 100 beziehungsweise über 80 Mitarbeitern führen nun ihre Projekte nach den Prinzipien von Lean Startup: Die Fokussierung auf Minimum Viable Products (MVP) – und nicht mehr zugleich fünf bis zehn Projekte – und die Einbeziehung aller in die Projekte involvierten Abteilungen scheinen auf eine Erfolgs-Story hinauszulaufen. Unterstützung erhielt die Allianz durch Pivotal.
Von anderen Foundations gelernt
Des Weiteren ist von der Einführung sogenannter Special Interest Groups innerhalb der Cloud Foundry Foundation die Rede. Erste SIGs haben sich hier zu den Themen Internet der Dinge, Finanzdienstleistungen und Service Provider gebildet. Laut Abby Kearns, Vice President of Industry Strategy der Foundation, mögen aber schon bald weitere folgen. Die Organisation geht hier einen Weg in vertikale Märkte, wie er schon bei anderen Open-Source-Gruppierungen wie der Eclipse Foundation zu verzeichnen ist.
Insgesamt scheint vieles, was IBM bei der Eclipse-Entwicklungsumgebung vor 15 Jahren gestartet und spätestens mit der Gründung der Eclipse Foundation 2004 formalisiert hat, die Blaupause für die Cloud Foundry Foundation zu sein. Doch versichern Kearns und Mike Milinkovich, der der Eclipse-Organisation vorsteht und vor Ort Hilfestellung beim Thema Internet der Dinge gab, dass es eklatante Unterschiede gebe. So konzentriert sich die Cloud Foundry Foundation vorrangig auf die Plattform, wohingegen die Eclipse Foundation derzeit ihr Wachstum im Bereich ihrer Working Groups zu speziellen Branchen und Themen hat.
Wachstum
Als neues Mitglied wurde derweil der Mischkonzern Bosch begrüßt, der Cloud Foundry für die noch junge "Bosch IoT Suite" nutzt. Andere neue Mitglieder sind Acetti Software, Comcast, Hexad und QIO. Die Cloud Foundry Foundation hat schließlich von Pivotal entwickeltes und kostenlos zur Verfügung gestelltes, unter der Apache-Lizenz stehendes Schulungsmaterial veröffentlicht, sodass jeder die Möglichkeit hat, sein Cloud- Foundry-Wissen zu vertiefen. (ane)