Sex in der Virtual Reality: "20% Sex und 80% Therapie"

Die VR-Unternehmerin und Pornodarstellerin Ela Darling sieht in Virtual-Reality-Cam-Sex eine der wenigen verbliebenen Möglichkeiten, mit Pornografie Geld zu verdienen. Auf der VR-Konferenz Digility sprach sie über Intimität und US-Moralverständnis.

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VR-Cam-Sex-Performerin Ela Darling: "20% Sex und 80% Therapie"

Porno-Unternehmerin Ela Darling (hier im Gespräch mit Kimo Quaintance) berichtete auf der VR-Konferenz Digility über Intimität bei 360-Grad-Cam-Sex.

(Bild: heise online / jkj)

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Proppevoll war der Saal bei Ela Darlings Auftritt auf der Kölner VR- und AR-Konferenz Digility – kein Wunder: Über Pornografie wird bei Tech-Konferenzen selten gesprochen; und noch seltener von Leuten, die sich wirklich damit auskennen. Darling hat früher zwar als Bibliothekarin gearbeitet, dreht aber seit sechs Jahren Pornos; seit 2014 primär in Form von 180- und 360-Grad-Videos; das Unternehmen VRTube.XXX hat sie mitgegründet.

Für Darling ist Virtual Reality eine der wenigen verbliebenen Möglichkeiten, noch Geld mit Pornografie zu verdienen – schließlich seien konventionelle Videos inzwischen massenweise kostenlos im Netz zu haben. In die Hände spielen den Porno-Produzenten dabei die in den USA vorherrschenden Moralvorstellungen: "Normale" (Tech-)Unternehmen dürfen laut Darling unter gar keinen Umständen etwas mit Porno zu tun haben; zumindest nicht, wenn sie Investoren, Vorstandsmitglieder und Kunden nicht verärgern wollen. Deshalb würde das lukrative Geschäftsfeld Porno-Firmen wie ihrer eigenen überlassen, so Darling.

Zurzeit besonders beliebt sind Live-Cam-Sex-Shows in 360-Grad, berichtete Ela Darling in Köln. Sie selbst habe ihr privates Schlafzimmer mit einer 360-Grad-Kamera ausgestattet, um direkt von dort für den Anbieter CAM4VR Shows zu streamen. Was sie daran fasziniert ist die gegenüber "normaler" Pornografie größere Intimität. Man habe so die Möglichkeit, einen echte Verbindung herzustellen; und das sei auch das, woran die Kunden am stärksten interessiert seien.

Darling hat außerdem beobachtet, dass sich die Kunden bei VR-Cam-Sex deutlich freundlicher verhalten als anderswo im Netz – und wenn mal jemand die Grenzen überschreitet, wird er direkt von anderen Kunden zurechtgewiesen, berichtet Darling. Die Leute würden sich eher wie im echten Leben verhalten und nicht wie im Internet.

Die intensive Intimität sei für Sex-Arbeiter auch eine große Herausforderung. Man müsse sich genau überlegen, wie viel man geben will. Darling: "Man muss eine authentische Persönlichkeit kultivieren, ohne zu viel von sich preiszugeben."

Ingesamt würde es der Kundschaft ohnehin primär um Bestätigung statt um die Erfüllung sexueller Fantasien geben, so Darling: "Als Cam-Performerin zu arbeiten ist 20% Sex und 80% Therapiegespräch."

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(jkj)