Europa ĂĽberholt Amerika im IT-Bereich - irgendwie

Auf dem dreitägigen European IT-Forum 2000 in Cannes wird die Zukunft des E-Commerce in Europa diskutiert.

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Von
  • Detlef Borchers
  • Christian Rabanus

Auf dem dreitägigen European IT-Forum 2000 in Monaco wurde bislang die hohe Schule der transatlantischen Verständigung praktiziert. Amerikanische Redner lobten Europa für den Fortschritt in Sachen M-Commerce, europäische Redner lobten die USA für den Einsatz des Internet und machten immer wieder darauf aufmerksam, wie hinderlich die hohen Telekommunikationskosten in Europa doch seien. Am zweiten Tag der Veranstaltung zeichnete sich ein Kompromiss ab: Sollte Europa die USA doch überholen, dann würde dies wie in einem Autobahnstau passieren, bei dem mal die eine, mal die andere Spur schneller ist. Der Veranstalter, die International Data Corporation (IDC), untermauerte den Eindruck mit seinen Marktprognosen. So ermittelte IDC den europäischen Anteil am IT-Weltmarkt für das Jahr 1999 mit 28,6 Prozent. Im Jahre 2000 soll dieser Anteil auf 32,2 Prozent steigen. Da die USA laut IDC von 38 Prozent im Jahre 1999 auf 31,9 Prozent im Jahre 2009 fallen werden, muss das Überholen irgendwie geklappt haben.

Abseits der Zahlenspiele zeigte die Tagung in Monaco durchaus ein europäisches Selbstverständnis. So läutete Compaq am Montagabend offiziell den Start von The Source ein. Hinter dem Namen verbirgt sich ein Internet-Portal für kleine und mittlere Unternehmen (KMU), das bald in allen europäischen Ländern online sein soll. Mit dem Startschuss ging The Source in England ans Netz, als nächstes Land soll Finnland folgen. Was The Source im eurpäischen Sinn bemerkenswert macht, ist "The Compaq Promise". Das ist eine Art Garantierklärung von Compaq, das alle im Portal versammelten Inhalte geprüft sind, ob sie den landesspezifischen Gesetzen und Bedürfnissen von KMUs entsprechen.

Geht es nach dem amerikanischen Trendforscher Jeremy Rifkin, so sind Portale wie The Source erst der Anfang. Rifkin entwarf vor den euopäischen Top-Managern ein Szenario, im dem das Eigentum verschwindet und durch Zugangsberechtigungen ersetzt werden. Vom Auto-Leasing bis zum Mieten einer juristischen Dauerberatung über das Netz werden Subskriptionen unser aller Leben bestimmen. Für Rifkin ist der Trend in den USA deutlich erkennbar, zwangsläufig soll er beim Überholen auch Europa erfassen. Allerdings waren nicht alle Zuhörern von Rifkin davon überzeugt, dass seine Visionen schnell oder überhaupt Wirklichkeit werden. (Detlef Borchers) (chr)