Samenspender-Suche per App

Paare mit Kinderwunsch in Großbritannien können für die Suche nach dem passenden Spender jetzt auch eine App verwenden – die passende Ergänzung zu den Verbesserungen bei den Technologien für künstliche Befruchtung selbst.

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Von
  • Julia Sklar
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Heutzutage kann man so ziemlich alles über eine App bestellen – Essen, Mietwagen, und jetzt auch Sperma. Die London Sperm Bank – die größte Samenbank Großbritanniens – hat Ende September eine App herausgebracht, die das Beschaffen von biologischem Material für Paare, die sich ein Kind wünschen, modernisieren soll.

Im Wesentlichen ist die App eine mobile Version der Filter-Suchfunktion, die auf der Website der London Sperm Bank zu finden ist. Doch sie bringt den bisherigen reinen Desktop-Dienst auf Mobilgeräte und ist damit als Versuch zu verstehen, Reproduktionstechnologien stärker zur Normalität zu machen.

Das ist so etwas wie der logische nächste Schritt. Als ich selbst im Jahr 1991 über eine In-Vitro-Fertilisation (IVF) gezeugt wurde, bekam meine Mutter kaum mehr als eine Mappe mit Spendewilligen. Seitdem wurden die Datenbanken längst in Websites integriert. Mobile Plattformen bedeuten, dass jetzt mehr Menschen darauf zugreifen können als je zuvor.

Nach Angaben der London Sperm Bank bekommen Nutzer der App automatische Benachrichtigungen, sobald neue Spender verfügbar sind, was die Suche für interessierte Paare beschleunigen könnte. Der Weg bis zu einer künstlichen Befruchtung kann Jahre dauern, also wäre jede Beschleunigung von Elementen dieses Prozesses ein willkommener Fortschritt.

Bei der London Sperm Bank liegen mehr als 10.000 Röhrchen mit Sperma vor, so dass das Durchsuchen selbst mit Filtern eine Weile dauert. Als Gegenmittel bietet die App eine Wunschlisten-Funktion, mit der Interessenten angeben können, welche Eigenschaften sie von ihrem Spender erwarten. Wenn ein Passender verfügbar wird, bekommen sie eine Benachrichtigung.

Die Funktionsweise des App-Dienstes hat eine gewisse Ähnlichkeit mit Tinder, allerdings muss man bei ihm nicht über Bilder wischen. Die Wunschlisten-Funktion erinnert eher an Anthology, eine App, mit der Jobsuchende ihren nächsten Karriereschritt vorbereiten können.

Eine kurze Suche im App Store auf dem iPhone zeigt, dass es bereits einige andere mobile Sperma-Dienste gibt. Der Londoner allerdings ist der einzige, bei dem die Spender so intensiv überprüft werden – mehrere Medizinverbände und die Human Fertilisation and Embryology Authority der britischen Regierung sind daran beteiligt.

Diese Unterstützung ist entscheidend für den Erfolg und die Zuverlässigkeit einer solchen App. Für viele Paare mit Kinderwunsch spielen die physischen Eigenschaften des Spenders eine große Rolle, doch die Überprüfung seiner medizinischen Geschichte ist eine unverzichtbare Voraussetzung.

Der Download der App ist kostenlos, und der Preis für eine mobile Sperma-Bestellung ist der gleiche wie bei der Bestellung über den Katalog der Samenbank – ungefähr 1100 Euro. Aus Sicherheitsgründen werden die Proben weiterhin nicht an Privatadressen verschickt, sondern nur an Fertilitätszentren.

Für Großbritannien ist eine Pionierrolle bei Reproduktionstechnologien nichts Neues. Das erste per IVF gezeugte Baby der Welt wurde 1978 dort geboren, in den USA folgte das erste drei Jahre später. Seitdem haben sich Reproduktionstechnologien weiterentwickelt und sind deutlich besser geworden. 1978 lag ihre Erfolgsquote noch bei 5 Prozent, heute sind es 40 bis 50 Prozent.

Insofern passt die App zur seriösen Sperma-Suche gut zur allgemeinen Entwicklung: Die Technologien für künstliche Befruchtung haben sich verbessert, und das Gleiche gilt für die Methoden, mit denen man erst einmal nach dem richtigen Spender suchen kann.

(sma)