Wie Technologie Restaurants auffrisst

Im Silicon Valley lassen sich derzeit mehrere frühe Trends für die Gastronomiebranche beobachten: Kleine Restaurants haben es zunehmend schwer, Jobs werden durch Automaten ersetzt, und Bestellen für Gourmets ist im Kommen.

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Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Jamie Condliffe

Wer im Silicon Valley nicht gerade bei einer Technologiefirma mit einer schicken Kantine arbeitet, kann die Erfahrung machen, dass es dort zunehmend schwierig wird, mal schnell ein Restaurant zu finden.

Laut einem Bericht der New York Times haben zuletzt eine ganze Reihe von Restaurants im Silicon Valley geschlossen. Das Problem scheint mit der florierenden Technologiebranche in der Region zusammenzuhängen: Die hohen Mieten drücken auf die Gewinne von Lokalen, und Unternehmen wie Facebook und Google werben reihenweise Köche und Service-Personal für ihre eigenen Kantinen ab. Kleine Restaurants können ihren Mitarbeitern nicht so viel bieten wie solche Technologieriesen, so dass die Branche zunehmend ausgehöhlt wird. Übrig bleiben hauptsächlich Fast-Food und Edel-Restaurants.

Auch in anderen Städten machen sich das Wirken des Silicon Valley bemerkbar. Das Fachmagazin Eater berichtet von einem Trend, der durch Technologie ermöglicht wird: Restaurants ohne Gasträume. Im Kampf gegen hohe Mieten richten manche Anbieter Küchen ein, deren Gerichte nur nach Hause geliefert werden. Bestellen lassen sie sich über eigene Apps oder über Sammel-Dienste wie Seamless oder Grubhub.

Solche Lieferdienste an sich sind natürlich keine neue Idee, das Konzept für reine Bestell-Restaurants mit hoher Qualität aber sehr wohl. Die Idee scheint an Schwung zu gewinnen. Der Koch-Visionär David Chang, Kopf hinter der Restaurantkette Momofuku, hat in New York bereits sein eigenes virtuelles Restaurant namens Ando eröffnet. Die Nachrichtenagentur Bloomberg schrieb darüber sogar, dieses Geschäftsmodell könne das Essen in Restaurants retten. Eater weist allerdings darauf hin, dass die Zukunft von solchen Angeboten noch keineswegs gesichert sei – unter anderem, weil Qualität und Marketing bei diesem Modell neue Herausforderungen bringen.

Doch selbst bei Restaurants, die ihre Speisesäle behalten, hat Automation zunehmend Auswirkungen auf die Besetzung mit Personal. Häuser wie das Inamo in London bieten zum Bestellen interaktive Tische an (mit denen man auch die Tischbeleuchtung verändern oder ein Taxi für die Heimfahrt rufen kann), so dass sie weniger Kellner brauchen. Das Quinoa-Restaurant Eatsa in San Francisco geht sogar noch einen Schritt weiter: Kontakt mit menschlichem Personal haben die Gäste dort überhaupt nicht mehr. Und in Zukunft sollen noch viele weitere Restaurant-Jobs von Robotern übernommen werden.

Ganz verschwinden wird die Gastronomiebranche natürlich nicht – schließlich wollen wir nicht immer selbst kochen, und dass wir Burger und Sushi bald gegen Soylent eintauschen werden, ist unwahrscheinlich. Doch Technologie verändert zunehmend die Standards, an die wir dabei gewöhnt sind. Daran wird die Branche zu knabbern haben.

(sma)