Studie: Mehrzahl registrierter .de-Domainnamen ungenutzt
Nach einer in KĂĽrze erscheinenden Diplomarbeit bleiben 55 Prozent aller registrierten .de-Domainnamen ungenutzt.
Nach einer in Kürze erscheinenden Diplomarbeit bleiben 55 Prozent aller registrierten .de-Domainnamen ungenutzt. Autor Tim Schumacher erfaßte nach eigenen Angaben in der ersten Januarwoche dieses Jahres alle registrierten .de-Domains und kontrollierte im September, was aus diesen geworden ist. Nach dem jetzt veröffentlichte Ergebnis waren 55 Prozent immer noch nicht konnektiert, zeigten auf die Standardseite des Providers oder waren "under construction". Bei 13 Prozent stellte Schumacher nach der neunmonatigen Wartezeit eine Nutzung durch Privatpersonen, bei 20 Prozent durch Firmen oder Selbständige fest. 11 Prozent aller deutschen Domainnamen fungierten nach der Studie nur als Co-Domainnamen. Und bei einem Prozent sei der Hinweis "zu verkaufen" oder "zu vermieten" zu finden gewesen. Auf Nachfrage von c't räumte Schumacher allerdings ein, dass daraus nicht geschlossen werden könne, dass auch die Besitzer der bislang nicht genutzen Domainnamen Verkaufsabsichten hegten.
Schumacher, Mitbegründer der Domain-Suchmaschine Sedo, fertigte die Studie für eine Arbeit zum Thema "Preisbildung im Handel mit Internet-Domainnamen" im Rahmen seines BWL-Studiums an der Universität Köln an. Da Sedo nach Schumachers Aussage bereits 1,5 Millionen der weltweit zum Verkauf stehenden Domainnamen erfaßt, schätzt er deren Gesamtzahl auf zwei Millionen. Darunter seien vor allem .com-Domains zu finden, da der Handel mit Domainnamen in den USA deutlich weiter verbreitet ist. Weitere fünf bis zehn Millionen Domainbesitzer weltweit wären schon bei geringen Geboten zum Verkauf ihrer Domain zu bewegen.
Nach Schumachers Ansicht ist es ökonomisch absolut sinnvoll, diese praktisch verlorenen Domainnamen wieder in den Markt zu bringen, auch wenn der Weiterverkauf von Domainnamen momentan noch mit rechtlicher Unsicherheit behaftet sei. Man müsse aber eine klare Grenze ziehen zwischen illegalem Domain-Grabbing, also dem bewußten Reservieren von Marken- und Firmennamen zum Weiterverkauf, und dem legalen und ökonomisch sinnvollen Handel mit beschreibenden Domainnamen wie beispielsweise shopping.de oder domainname.de machen.
Währenddessen ist der Run auf deutsche Domainnamen ungebrochen: Jeden Tag werden bei der zuständigen Registrierungsstelle DENIC zwischen 5.000 und 10.000 neue .de-Domains registriert. Anfang September diesen Jahres wurde bereits die Drei-Millionen-Grenze bei den deutschen Domains überschritten – was eine Verdreifachung seit dem Oktober der vorangegangenen Jahres bedeutete. (nij)