Oculus Connect 2016: Die fünf besten VR-Abenteuer
Neben Vorträgen und Podiumsdiskussionen gab es auf der Oculus Connect in San Jose auch jede Menge neue VR-Spiele und -Abenteuer zum Ausprobieren. Hier sind unsere fünf Favoriten nach zwei Tagen mit Oculus-Rift-Headset und Touch-Controllern.
Robo Recall: Mit Gewalt – und Humor – gegen Roboterhorden.
(Bild: Epic Games)
Software sells Hardware – diese Binsenweisheit der Computer- und Spielebranche gilt einmal mehr bei VR-Headsets. Rund 500 Spiele gibt es bereits für die Oculus-Rift-Plattform – eine durchaus beeindruckende Zahl, vergleicht man sie mit den ein, zwei Dutzend Titeln, die normalerweise im ersten Jahr einer neuen Spielkonsole auf den Markt kommen. Auf der Oculus Connect in San Jose durften wir nun etliche der noch in Arbeit befindlichen Projekte ausprobieren – hier unsere fünf Favoriten.
Neue Highlights für die Oculus Rift (23 Bilder)

(Bild: Ready at Dawn)
Lone Echo
Das beeindruckendste Spiel der Konferenz kommt vom südkalifornischen Entwickler Ready at Dawn. In Lone Echo übernehmen wir die Rolle des humanoiden Roboters Jack, der auf einem Forschungsraumschiff in der Nähe einer Weltraumanomalie stationiert ist. Gewiss, Schwerelosigkeit gab es schon in einigen VR-Titeln, aber noch nie wurde sie so filmreif präsentiert.
Nach einigen Trainingseinheiten, in denen wir das Schweben, den Einsatz unserer zwei Mini-Raketenmotoren sowie eines Schneidbrenners lernen, geht es ins All. Dort müssen wir zunächst eine Antenne reparieren und neu ausrichten, dann mit einem kleinen Beiboot zum Raumschiff übersetzen und der menschlichen Expeditionsleiterin aus einer misslichen Lage helfen: Die Anomalie löst heftige Gravitationsbeben aus, in deren Folge sie an der Außenwand des fliegenden Hauptquartiers eingeklemmt wurde.
In den ersten Trainingsminuten war uns noch etwas mulmig zumute: Wir hangelten uns per Touch-Controller vorsichtig von Wand zu Wand, um nicht in der Schwerelosigkeit "abzustürzen". Die Raketenmotoren machten die Fortbewegung deutlich angenehmer. Optisch und akustisch ist das seit rund eineinhalb Jahren in Entwicklung befindliche Lone Echo der Hammer. Neben der Einzelspielerkampagne wartet in Lone Echo ein Mehrspielermodus, in dem zwei Fünfer-Teams versuchen, einen Diskus in die gegnerische Basis zu bugsieren.
Robo Recall
Der 3D-Shooter Robo Recall von Epic Games basiert auf dem vergangenes Jahr veröffentlichten Bullet Train. Statt Bösewichten in einem Bahnhof warten durchgeknallte Roboter auf uns, die eigentlich der beste Freund des Menschen sein sollten. Als "Servicetechniker" müssen wir die marodierenden Metallarbeiter mit Bleispritzen zur Räson bringen – oder sie mit gekonnten Handgriffen um ihre Gliedmaßen oder Köpfe, pardon, Zentralrecheneinheiten erleichtern. Robo Recall setzt neben Action auch auf Humor: So kommentierten die Blechkumpanen unsere Aktionen mit schrägen Sprüchen: Schleudern wir sie an ihrem Transportgriff durch die Luft, klagen sie: "Warum mussten wir diese Griffe bekommen?" Durchsieben wir sie dann mit Kugeln, frohlocken sie: "Ich kann den Roboterhimmel sehen!"
Verglichen mit Bullet Train sieht Robo Recall deutlich schicker aus, spielt sich allerdings etwas ungenauer. Statt an feststehende Punkte teleportieren wir uns nun frei durch die futuristischen Umgebungen, müssen dabei allerdings auch noch die Blickwinkel nach der Landung wählen. Nicht immer ganz intuitiv, und manchmal macht die Steuerung uns einen Strich durch die Rechnung, wenn sie etwa einen Sprung auf eine Markise oder ein Autodach verweigert. Auch das Aufschnappen und Zurückwerfen von heranfliegenden Pistolenkugeln klappte in Bullet Train besser. Nach der sehr spaßigen Demo des Spiels war uns sogar ein wenig schwummerig zumute – dennoch zeigt Robo Call eindrucksvoll, wie ein VR-3D-Shooter funktionieren kann. Alle Käufer der Touch-Controller sollen den Titel kostenlos erhalten.
Luna
Hinter dem poetischen Puzzler Luna steckt das Indie-Studio Funomena. Hier wirken unter anderem Robin Hunicke und Martin Middleton, die schon am preisgekrönten Abenteuer Journey gearbeitet haben. In Luna müssen wir einem Vogel dabei helfen, den Weg zurück nach Hause zu finden. In der Demo puzzeln wir zunächst vier Sternbilder zusammen, die ihrerseits Bäume, Seerosen, Büsche und eine Schildkröte offenbaren. In der nächsten Szene platzieren wir diese in einer pastellfarbenen Bilderbuchwelt, die alsbald zum Leben erweckt – und dem Vogel einen Teil seiner Erinnerung zurückbringt.
Im Laufe des Spiels lernen wir immer neue Bewohner des musikalischen Waldes kennen, in dem der Vogel ursprünglich gelebt hat, und erfahren so dessen Geschichte. Das fantasievolle Luna soll auch solche Personen ansprechen und zum Nachdenken bringen, die noch nie ein VR-Headset auf dem Kopf gehabt haben. Wer jemanden davon überzeugen möchte, dass Spiele mehr als nur Reaktionstests oder auf Schienen erzählte Geschichten sind, für den ist das bilderbuchartige Puzzlespiel ein vortreffliches Hilfsmittel.
Kingspray
Graffitikünstler und solche, die es werden wollen, dürfen in Kingspray ganz ohne Angst vor Polizei und Gebäudeeigentümern die Farbsprühdose in die Hand nehmen: Mit einer Fülle von Farben entstehen im Nu die tollsten Kunstwerke. Mit variablen Düsen und Dosendrücken simulieren die Designer des Indie-Studios Infectious Ape realistische Tropfnasen und Farbschichtdicken, besonders schicke Tags lassen sich zeitgemäß per Smartphone fotografieren und speichern – selbst Selfies sind möglich. Durch die Hinterhöfe der Spielwelt bewegen wir uns mit schon fast standardisierter Teleportation und greifen uns Holzlatten, Basketbälle und andere Gegenstände, um damit Unfug anzurichten.
Kingspray ist für zwei Spieler ausgelegt, die im Koop-Modus um die Wette sprühen oder ein Gemeinschaftskunstwerk erschaffen wollen. Musik ertönt dabei standesgemäß aus einem Ghettoblaster, der von einer Internetradio-App beliefert wird – mit einer gewaltigen Auswahl an Sendern. Die VR-Gemeinde grollt derzeit jedoch etwas, weil Kingspray ursprünglich für die Vive geplant war, nun aber erst einmal exklusiv für Oculus Rift produziert wird.
Dead Hungry
Ein Zombiespiel der etwas anderen Art ist Dead Hungry: Hier arbeiten wir hinter dem Grill eines in den USA noch immer populären Food Trucks um unser Leben. Und das ist wörtlich zu nehmen, denn unsere Kunden sind hungrige Zombies. Ein wenig wie im Oldtimer Burger Time müssen wir nun Hamburger brutzeln, Pizzen auftauen, Pommes Frites frittieren und zusammen mit Colagetränken in Richtung der hungrig-stöhnenden Kundschaft werfen. Der Clou: Sind die Burger schön durchgebraten und Pommes und Pizzen nicht verbrannt, verwandeln sich die Zombies wieder in dankbare Menschen zurück.
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Hinter diesem abgefahrenen, hektischen Spektakel steckt das japanische Entwicklungsstudio Q-Games, das mit den innovativen PixelJunk-Download-Titeln für Sonys PlayStation 3 bekannt wurde. Dead Hungry stimmt hoffnungsvoll, dass das Team sein Gespür für abseitig-witzige Spiele noch nicht verloren hat. (mho)