Kommentar: Gebt die Messdaten frei!

Anbieter von Universalmessgeräten sollten die Protokolle ihrer PC-Schnittstellen freigeben, damit Hobby-Programmierer die Messungen leicht in eigenen Programmen auswerten können, meint c't-Redakteur Tim Gerber.

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Kommentar: Gebt die Messdaten frei!
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Von
  • Tim Gerber

Ich habe zu Hause ein Digtal-Multimeter der Marke Voltcraft, das ich seit zirka 25 Jahren besitze. Es hat seinerzeit etwa 100 D-Mark gekostet und besitzt eine PC-Schnittstelle. An der Seite sind fünf kleine Löcher und dazu gibt es einen Adapter auf einen 25poligen Sub-D-Stecker für die RS232-Schnittstelle.

Ein Kommentar von Tim Gerber
Ein Kommentar von Tim Gerber

Tim Gerber ist gelernter Theaterbeleuchter und Beleuchtungsmeister; Jura-Studium in Leipzig, seit 2001 c't-Redakteur. Dort anfangs für Drucker zuständig, aktuell für Programmierung, Löten und Basteln mit Elektronik sowie für Verbraucherthemen in der Rubrik "Vorsicht, Kunde".

In der Bedienungsanleitung steht genau, was man machen muss, um über diese Schnittstelle an den aktuellen Messwert zu gelangen: Man sendet dem Gerät mit 1200 Baud ein "D" und empfängt darauf einen 13 Byte langen String, der Messwert und Einheit enthält. Das hat seinerzeit auch super funktioniert und ich habe damit allerhand Messreihen in eigenen Programmen mitloggen und die Werte weiterverarbeiten können. Aus irgendeinem Grund geht das aber heute nicht mehr.

Also habe ich mich nach einem modernen Ersatz umgeschaut. Das Angebot an Multimetern mit Digitalschnittstelle ist recht breit, wie die Marktübersicht in der jüngsten Ausgabe von c't zeigt. Nicht nur IR- und USB-Schnittstellen sind verbreitet, auch drahtlose Verbindungen wie Wireless-USB oder Bluetooth beherrschen auch günstige Geräte längst. Aber kommt man als Hobby-Programmierer auch leicht an die Daten? Leider nicht, wie die Untersuchungen meines Kollegen Rudolf Opitz gezeigt haben.

Überall herrscht herstellereigenes, standardfernes Gefriemel, wenn es um die PC-Anbindung geht. Die Daten können nur mit herstellereigener Software ausgewertet werden, die mitunter sogar zusätzlich Geld kostet. Ich habe keine Ahnung, welches Geschäftsmodell dahinterstecken könnte und geschützt werden soll? Die angebotenen Messgeräte haben ihren Preis und sind ihn in der Regel auch wert, wie der Artikel zeigt. Aber warum verrät mir der Hersteller nicht, wie die Infrarot-Schnittstelle funktioniert, nach welchem Protokoll darüber Daten ausgetauscht werden können? Sonderlich kompliziert kann das nicht sein. Aber um es selbst per Reverse-Engineering herauszufinden, fehlt mir das Know-How beziehungsweise die Muße und Geduld.

Mir fehlt auch eine DLL, die ich per Mausklick in ein Visual-Studio-Projekt einbinden kann und die eine einfache Funktion zum Auslesen der Messwerte bereitstellt. Das Internet of Things ist in aller Munde, aber ausgerechnet die Elektronik-Anbieter wie Conrad oder Reichelt geben sich völlig borniert, wenn es um die Offenlegung von Schnittstellen und Open-Hardware geht. Obwohl gerade das bei einem Multimeter ein schlagendes Verkaufsargument sein könnte – jedenfalls für mich. (tig)