Schweiz: Landesweites Internet der Dinge geht in Betrieb

Ein „Internet der Dinge“ ist landesweit „live“ gegangen, meldet der grösste Schweizer Telco Swisscom. In rund 30 Pilotprojekten testen Unternehmen das "Low Power Network" (LPN), technische Basis des IoT.

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Schweiz: Internet der Dinge startet Betrieb, Alptracker

Wo sind die Tiere auf der Weide? Der "Alptracker" will diese Frage schnell klären können.

(Bild: Tecsag)

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Von
  • Tom Sperlich
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„Das schweizweite Netz für das Internet der Dinge ist live“ teilte Swisscom jetzt mit. Seit das mehrheitlich in Staatsbesitz befindliche Telekomunternehmen im März dieses Jahres den Aufbau eines schweizweiten Netz für das „Internet der Dinge“ bekanntgab, habe sich einiges getan, so Swisscom.

Der Ausbau der Grundversorgung auf Basis eines "Low Power Network" (LPN) sei auf einem guten Weg: 75 Prozent der Schweizer Bevölkerung seien inzwischen mit dem das Mobilfunknetz ergänzenden IoT- oder M2M-(Machine to Machine)-Netzwerk versorgt. Bis Ende des Jahres sollen, wie geplant, 80 Prozent der Bevölkerung Zugang zum LPN haben.

Da wo eine größere Nachfrage bestehe, wie etwa in größeren Städten, könne auch eine höhere Abdeckung gewährleistet werden, sagte ein Swisscom-Sprecher gegenüber heise online. Vor allem beziehen sich obige Zahlen auf die Versorgung der Bevölkerung im Freien, respektive auf die Erreichbarkeit der „smarten Dinge“ ihrer NutzerInnen. Für zehn Städte ist zudem eine leichte Innenraumversorgung vorgesehen.

Über das Low Power Network kommunizieren Geräte und Dinge miteinander. Für Swisscom sind das vor allem Sachen des Alltags etwa Fitnessarmbänder, vernetzte Wetterstationen, Regenschirme, IP-Kameras und Sensoren. Wie der Telco mitteilt, haben inzwischen 30 Unternehmen mit Swisscom neue IoT-Anwendungen entwickelt, getestet und in unterschiedlichen Stadien in Betrieb genommen.

Als ein Beispiel wird etwa der Findme-Tracker der „Mobiliar Versicherung“ genannt – er soll verlegte oder verlorene Gegenstände wie Schlüsselbunde, Fahrräder oder Gepäckstücke wieder auffindbar machen. Der Warenkonzern „Migros“ testet eine Plattform, die Sitzungsräume besser zuweist, indem sie die effektive statt gebuchte Belegung erfasst. Mit weiteren Sensoren sorgt das System dafür, dass nur gekühlt oder beleuchtet wird, wenn sich jemand im Raum befindet.

„VonRoll hydro“ testet LPN-Sensoren, etwa um Schachtdeckel zu überprüfen oder zur Erfassung von Wasserlecks in Schächten, um die Daten dann umgehend auf einem Online-Portal abzubilden. Das Startup „Tecsag“ testet einen LPN-Tracker für Nutztiere. So soll auch auf einer entlegenen Alp jedes Tier auffindbar sein und sich mittels Monitoring ein genaueres Bild über das Herdenverhalten gewinnen lassen.

Das städtische Zürcher Unternehmen „Entsorgung & Recycling“ verfolgt die Standorte und Transportrouten von Gross-Containern. „Localsearch“ testet in Lausanne und Zürich über 250 „Smiley-Boxen“ der Firma „Feedback-now“, um die Kundenzufriedenheit von Restaurantgästen und weiteren Services in Echtzeit zu erfassen.

Meist, wie auch bei anderen Digitalisierungsprojekten, würden die Pilotprojekte zeigen, dass es keine Standardrezepte gibt, schreibt Swisscom. In vielen Fällen würden jedoch schnelle Prototypen helfen, um grössere Ideen zu entwickeln. Swisscom will ausserdem ergänzend zu dem LPN-Aufbau Ende des Jahres ein LPN Experience Center in Zürich eröffnen, welches LPN, Hardware und Anwendungsmöglichkeiten präsentiert.

Das Low Power Network basiert auf dem offenen Funkstandard LoRaWAN ("Long-Range Wide-Area Networks") und ergänzt das Mobilfunknetz. Die Reichweite der LoRa- Gateways beträgt je nach Topografie zwischen 5 bis 15 Kilometer. Da die Sensoren und Buttons eher sporadisch Signale ins Netz senden, soll eine Akkuladung mindestens fünf Jahre reichen. (kbe)