Frankreich hat größten Anteil von Impfgegnern

Pierre Verger ist Co-Autor einer aktuellen Studie, die den globalen Stand von Vertrauen in Impfungen untersucht. "Jeder achte französische Hausarzt ist Impfskeptiker", sagt er. Im Interview mit Technology Review erläutert er die Ursachen.

vorlesen Druckansicht 335 Kommentare lesen
"Jeder achte französische Hausarzt ist Impfskeptiker"

Die Vorbehalte gegenüber Impfungen sind vor allem in Europa groß. Unter den zehn Ländern mit den meisten Impfgegnern weltweit sind allein sieben europäische Staaten.  

(Bild: NIAID / Flickr / cc-by-sa-2.0)

Lesezeit: 2 Min.
Von
  • Reiner Wandler

Während der amerikanische Kontinent seit September offiziell als komplett frei von Masern gilt, lässt sich Ähnliches von Europa noch lange nicht behaupten. Mehr noch: In der alten Welt nimmt stattdessen die Impfskepsis noch zu.

Wie stark die Vorbehalte sind, dokumentiert jetzt die auf der Onlineplattform EBioMedicine veröffentlichte Überblicksstudie "The State of Vaccine Confidence 2016: Global Insights Through a 67-Country Survey". Unter den zehn Ländern mit den meisten Impfgegnern weltweit sind allein sieben europäische Staaten – darunter Deutschland mit 10,5 Prozent und an der Spitze Frankreich mit gar 41 Prozent. Wie es dazu kommt, schildert in einem Interview in der November-Ausgabe von Technology Review (jetzt am Kiosk und im heise shop erhältlich) Studien-Co-Autor Pierre Verger.

Anteil der Impfskeptiker (in Prozent der Bevölkerung)

Der französische Mediziner, Studiendirektor am Observatoire régional de la santé Provence-Alpes-Côte d'Azur, berichtet über die Ursachen für die ablehnende Haltung seiner Landsleute. Dazu gehören kontroverse Debatten über Vor- und Nachteile von Impfungen, wie sie in Frankreich im Falle von Hepatitis B oder der sogenannten Schweinegrippe in den vergangenen Jahren geführt wurden.

Auch Skandale – etwa um die Nebenwirkungen von Medikamenten – hätten das Vertrauen der Bevölkerung in das Gesundheitssystem stark erschüttert. Mit verantwortlich für die ablehnende Haltung seien aber nicht zuletzt die Allgemeinmediziner: "Die Ärzte in Frankreich und speziell die Hausärzte sind sehr wenig ausgebildet, was die Impfungen angeht", sagt Pierre Verger. Für den Forscher sind sie der wichtigste Ansatzpunkt, um das Vertrauen der Landsleute in Regelimpfungen wieder herzustellen.

Mehr zu dem Thema im Interview in der neuen Ausgabe von Technology Review (im gut sortierten Zeitschriftenhandel und im heise shop erhältlich). (inwu)