Olympische Spiele als Belastungsprobe fürs Internet

Der Netzinfrastruktur-Experte Raj Sharma befürchtet, dass das Internet während der Olympischen Spiele in Sydney an den Rand des Zusammenbruchs kommen könnte.

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Der Netzinfrastruktur-Experte Raj Sharma befürchtet, dass das Internet während der Olympischen Spiele in Sydney an den Rand des Zusammenbruchs kommen könnte. Er rechnet im Verlauf der Spiele mit mindestens drei Milliarden Zugriffen auf die offizielle Website und noch einmal so vielen auf Sportportale in aller Welt, die in ihrer jeweiligen Landessprache über die Olympischen Spiele berichten. Das damit verbundene immense Verkehrsvolumen werde die gesamte Infrastruktur des Internet auf eine harte Bewährungsprobe stellen.

"Die gesamte Industrie hat sich in den vergangenen Jahren zu sehr auf das Thema Geschwindigkeit konzentriert", bemängelt Sharma. "Die Infrastruktur des Internet ist heute vor allem darauf angelegt, Anfragen an Websites möglichst schnell zu beantworten. Doch nach wie vor gibt es keinerlei Garantie dafür, dass eine Anfrage überhaupt ihr Ziel erreicht."

Die Website zum diesjährigen Tennisturnier in Wimbledon hatten zehn über den Globus verteilte Server vorgehalten. Wer darauf zugriff, wurde auf den geografisch nächstgelegene Standort geleitet. "Das klingt wie eine gute Idee", so Sharma, "aber es bedeutet auch, dass die Server in Europa überlastet sein können, während in den USA oder in Japan aufgrund der Zeitverschiebung ungenutzte Ressourcen vorhanden sind. Wäre es da nicht intelligenter, einen Teil der europäischen Besucher auf diese entfernten Server zu leiten, statt ihre Anfragen gar nicht zu beantworten?"

Sharma leitet HydraWEB Technologies, einen Hersteller von Load-Balancing-Lösungen für verteilte Websites. Sein Urteil mag daher nicht ganz objektiv ausfallen. Immerhin hat das Netz bereits etliche Härtetests wie die Veröffentlichung der Video-Aussage von Bill Clinton im Fall Lewinsky gemeistert. Doch andererseits hat die Nutzung des Internet seither stark zugenommen. Wenn sich das Interesse der Surfer auf ein Ereigniss wie die bevorstehenden Olympischen Spielen konzentriert, wäre eine zeitweise Überlastung durchaus denkbar. (ad)