Telefonnummern für ganz Deutschland aus Mainz-Gonsenheim

Otfried Stibitz, Leiter des Referats Nummernverwaltung in Mainz-Gonsenheim, ist Herr über die 5 200 Ortsnetze in Deutschland.

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  • Thomas Struk
  • dpa

Anfang August war eine ehemalige Kaserne in Mainz-Gonsenheim wochenlang wohl der bekannteste Sitz einer deutschen Behörde. Bei der spektakulären Auktion der UMTS-Mobilfunklizenzen nahm die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post rund 100 Milliarden DM ein. Drei Monate später können die 350 Mitarbeiter der Behörde wieder ungestört von Journalisten, Unternehmenssprechern und Analysten ihrer Arbeit nachgehen. Und die ist für die Bundeskasse ebenfalls lukrativ. Für die Vergabe von Festnetz-Telefonnummern wurden der Deutschen Telekom und rund 80 Konkurrenten bis Ende November knapp 45 Millionen DM in Rechnung gestellt.

Otfried Stibitz, Leiter des Referats Nummernverwaltung, ist Herr über die 5 200 Ortsnetze in Deutschland. Während seine Mitarbeiter inzwischen wieder in aller Ruhe die Nummern-Bestellungen der Telefonanbieter bearbeiten, lief die Arbeit während der UMTS-Auktion nur mit halber Kraft. Einige Mitarbeiter wurden während der drei Wochen dauernden Versteigerung als "Wachpersonal" eingesetzt, das Absprachen der Firmenvertreter verhindern sollte. "Das normale Dienstgeschäft wurde davon schon etwas beeinträchtigt. Wir waren froh, als es zu Ende war", sagt Behörden-Sprecher Werner Hugentobler. "Aber auch stolz, dass alles so gut gelaufen ist."

Ähnlich wie die Mobilfunkfrequenzen sind die Telefonnummern ein knappes Gut, jedoch nicht ganz so kostbar: Sollten die Anbieter aber auch in den kommenden Jahren so viele Nummern ordern wie in diesem Jahr, könnte es irgendwann eng werden. Denn nach einer Regelung der Internationalen Telekommunikationsbehörde (ITU) darf eine Rufnummer in Deutschland inklusive der Vorwahl nicht mehr als zwölf Stellen haben.

Sollte es eines Tages eng werden, müssen möglicherweise einige Vorwahlnummern verkürzt werden - so wie in Frankfurt, wo in den 80er Jahren aus der "0611" die "069" wurde. "Bei neuen Ortsnetzkennzahlen haben wir zum Teil noch Spielraum. Das wäre aber das letzte Mittel", sagt Rita Lege-Schmieg, in der Rufnummernverwaltung Sachbearbeiterin für den Ortsnetzbereich.

Nach der Liberalisierung des Telefonmarktes vergab die Mainzer Dienststelle, die seit 1994 in einem ehemaligen Kasernengebäude der US-Armee untergebracht ist, im Mai 1997 erstmals Telefonnummern an die Telekom und ihre Konkurrenten. Zuvor verwaltete der damalige Monopolist seine Nummern selbst.

Heutzutage gibt die Dienststelle in einer Woche zwischen 200.000 und 400.000 Rufnummern heraus, darunter viele Nummern für Nebenstellen von großen Telefonanlagen. Im Vergleich zu den vergangenen Jahren ist die Zahl der Rufnummernblöcke mit jeweils 1000 Telefonnummern in diesem Jahr immens angestiegen. Das liegt in erster Linie an der steigenden Zahl von ISDN-Anlagen, für die mehrere Telefonnummern beantragt werden können.

Neben den Rufnummern für den Ortsnetzbereich sind die Regulierer unter anderem auch für Sondernummern zuständig, für die im Dezember erstmals Gebührenbescheide verschickt werden. Damit werden Verbraucher und Unternehmen für persönliche Wunsch- oder kostenlose Service-Rufnummern zur Kasse gebeten. Pro 0180-, 0700- und 0800-Rufnummer berechnet die Regulierungsbehörde 125 DM. Das macht unterm Strich noch einmal Einnahmen von mehr als 30 Millionen DM. Dem UMTS- Rekorderlös von 100 Milliarden können die Gebühren für Festnetz- und Service- Rufnummern aber nicht das Wasser reichen. 2000, so heißt es in der Mainzer Dienststelle, werde deshalb auch als "UMTS-Jahr" in die Geschichte der Regulierungsbehörde eingehen. (Thomas Struk, dpa) / (wst)