Novell steigt ins "Content Management" ein

Novell gründet eine eigene Firma, um ins Geschäft mit Web-Caching und Load-Balancing für Web-Inhalte einzusteigen.

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Von
  • JĂĽrgen Kuri

Lange ist es her, dass Novell Investoren wie Kunden positive Nachrichten verkünden konnte. Im letzten Quartal des Geschäftsjahres 2000 schaffte der NetWare-Hersteller mit Ach und Krach eine "scharze Null" – wenn die Kosten für die Umstrukturierung des bei Netzwerkbetriebssystemen lange Zeit führenden Konzerns nicht berücksichtig blieben. Novell-Chef Eric Schmidt versprach aber schon im November letzten Jahres, dass sich die Lage bessern werde, sobald neue Geschäftsfelder erschlossen würden – viel Hoffnungen auf NetWare allein setzt Novell offensichtlich nicht mehr, geriet das Server-Betriebssystem, in früheren Tagen unangefochten Nummer Eins in diesem Bereich, doch durch Linux ebenso wie Windows NT und Windows 2000 zunehmend unter Druck.

Nun will Novell schon einmal mit einer Firmengründung in neue Geschäftsbereiche vorstoßen, die das Unternehmen wie versprochen zum eBusiness-Netz-Service-Plattform-Provider machen sollen. Gemeinsam mit Nortel und Accenture (bis vor kurzem als Andersen Consulting bekannt) gründet Novell die Firma Volera, um "eine neue Ebene von Internet-Intelligenz" zu erreichen, wie Novell den Anspruch formuliert. Volera soll sich im Bereich des Content Management und Content Delivery tummeln – zwei der neuesten Buzzwords der EDV-Industrie, die Ansätze umschreiben, Internetinhalte möglichst zielgenau und schnell an die Surfer zu bringen. Begründet hat dieses Business eigentlich Akamai – die Firma betreibt ein Netz von Serverfarmen in der ganzen Welt, die über eine Art globales Load-Balancing möglichst schnellen Zugriff auf Webinhalte bieten sollen. Eine gewisse Berühmtheit erlangte Akamai in den letzten Tagen, als Microsoft nach den Problemen mit den eigenen DNS-Servern Akamai beauftragte, mit zusätzlichen DNS-Servern im Akamai-Netz die Ausfallsicherheit der Name-Server für Microsofts Netzwerk zu erhöhen.

Die beiden Partner von Novell bei Volera sollen nach Angaben der beteiligten Firmen Minderheitsanteile an dem neuen Unternehmen halten. Man werde insgesamt über 80 Millionen US-Dollar in bar und Dienstleistungen in Volera investieren, um der Firma den Start zu ermöglichen. Volera soll Kunden fürs Web Caching-Systeme bereitstellen, die ihnen bei der Verwaltung und Auslieferung von multimedialen Inhalten, aber auch Web-basierten Anwedungen helfen. Nortel, einer der Partner bei Volera, kam erst vor wenigen Tagen von Datenschützern unter Beschuss, da das von dem kanadischen Telecom-Konzern vorgestellte Personal Internet Befürchtungen auslöste, damit würde eine weitere Aufweichung der Privatsphäre von Surfern ermöglicht. Nortel soll nun nach der Vereinbarung zur Gründung von Volera gemeinsam mit dem neuen Unternehmen Produkte für das Web-Caching, die Novell in die Firma einbringt, weiterentwickeln und vermarkten. Accenture wird für Volera-Kunden Dienstleistungen anbieten.

Volera wird aber, trotz der beiden starken Partner von Novell, als Tochtergesellschaft der NetWare-Company geführt – und Umsatz ebenso wie Gewinn im Geschäftsbericht von Novell ausgewiesen. Der Aufsichtsrat von Novell stimmte zudem dem Plan zu, dass Volera als Aktiengesellschaft gebildet wird, mit dem Ziel, das Unternehmen Anfang 2002 an die Börse zu bringen. Chairman von Volera wird der Novell-CEO Eric Schmidt, Präsident wird Simon Khalaf, bislang Vizepräsident von Novell und Chef der Abteilung Net Content Services. Der Posten des CEO wird vorerst nicht besetzt – nach Informationen aus Firmenkreisen soll dies wohl auch bis zum Börsengang so bleiben. (jk)