Personeller Aderlass bei Microsoft

Microsoft-Vize Paul Maritz setzt mit seiner RĂĽcktrittsankĂĽndigung die Abschiedsserie von Top-Managern des Software-Riesen fort.

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Von
  • Christian Rabanus

Paul Maritz, als Vizepräsident einer der ranghöchsten Manager des Softwarekonzerns aus Redmond, hat in einer internen E-Mail seinen Rücktritt angekündigt. Wie das Wall Street Journal berichtete, führte Maritz dafür persönliche Gründe an. Er werde aber auch nach seinem Ausscheiden beratend für Microsoft tätig bleiben, hieß es.

Maritz war 14 Jahre bei dem Konzern tätig und wurde sogar als Nachfolger von Bill Gates gehandelt. Er gehörte zu den Entwicklern der .NET-Strategie und saß im engsten Leitungsstab des Konzern. Maritz war der ranghöchste Manager, der beim Kartell-Prozess gegen Microsoft im Zeugenstand aussagte.

Wenn sein Rücktritt auch nicht völlig überraschend kam – bereits im letzten Jahr gab Maritz einige Verantwortlichkeiten für das Tagesgeschäft ab –, so trifft er doch den Konzern in einer schwierigen Phase. Der Kartell-Prozess ist immer noch nicht ausgestanden, die Neuausrichtung im Rahmen der .NET-Strategie noch jung und die Konkurrenz, beispielsweise durch das freie Betriebssystem Linux, immer größer. Und als ob diese Probleme nicht genügen würden, laufen dem Konzern immer mehr Top-Manager weg.

So verließen vor rund drei Monaten Tod Nielson, Adam Bosworth und Rod Chavez den Konzern, um ein eigenes Software-Start-Up zu gründen, das sich schnell zu einem echten Problem für Microsoft entwickelte. Nathan Myhrvold, einst oberster Technologie-Experte, quittierte seinen Dienst im Mai nach einem einjährigen Ausstand. Der ehemalige Finanzvorstand Greg Maffei ging im Dezember des letzten Jahres, der Internet-Stratege Pete Higgins und Vizepräsident a.D. Brad Silverberg kehrten ebenfalls nach einem Sabbatical nicht mehr nach Redmond zurück.

Sorgen über finanzielle Probleme müssen sich alle diese Top-Manager nicht machen. Auch wenn der Kurs von Microsoft in letzter Zeit arg gelitten hat – das Aktienkapital, das sich die ehemaligen Angestellten von Bill Gates während ihrer aktiven Zeit auf die Seite gelegt haben, ist viele Millionen wert. So soll Maritz, der jüngste Verlust des Software-Riesen, sich auf einem Polster von 747.000 Microsoft-Anteilen ausruhen können. Bei Börsenschluss gestern war dieses Aktienpaket knapp 51 Millionen US-Dollar wert. (chr)