Erste deutsche Weltausstellung endet mit Feiern und Wehmut
Mit Appellen für ein friedliches Zusammenleben der Völker und großem Lob für Deutschland geht die fünfmonatige Expo 2000 am heutigen Dienstag in Hannover endgültig zu Ende.
Die erste Weltausstellung in Deutschland ist Geschichte. Mit Appellen für ein friedliches Zusammenleben der Völker und großem Lob für Deutschland geht die fünfmonatige Expo 2000 am heutigen Dienstag in Hannover endgültig zu Ende.
Bundestagspräsident Wolfgang Thierse setzte am Mittag vor mehr als 7.000 Gästen den offiziellen Schlusspunkt: "Die Expo 2000 ist beendet." Besucher und Teilnehmer können allerdings noch bis tief in die Nacht auf dem 170 Hektar großen Gelände Abschied feiern. Insgesamt kamen an den 153 Tagen rund 18 Millionen Menschen statt der ursprünglich erwarteten 40 Millionen zur Expo 2000 in Hannover, die unter dem Motto "Mensch-Natur-Technik" stand. Mit 173 Nationen und internationalen Organisationen war es die größte Weltausstellung aller Zeiten. Der Sprecher der Expo-Teilnehmernationen, der Däne Ole Philipson, würdigte erneut die Leistung der Gastgeber: "Deutschland hat es geschafft. Die Expo 2000 ist ein großer Erfolg."
"Man muss die endgültigen Bilanzen nicht abwarten, um sagen zu können, dass die Expo 2000 ein Erfolg war", sagte Thierse. "Die Expo war nicht in erster Linie ein Unternehmen, um Geld zu verdienen." Die Weltausstellung habe dazu beigetragen, Distanzen und Fremdheit zu überwinden. "Nachdem wir Deutschen im vergangenen Jahrhundert Bilder des Entsetzens geliefert und dafür gesorgt haben, dass mit uns nicht Heiterkeit und Leichtigkeit und die Klarheit der Vernunft verbunden wird, ist es ein großes Verdinest dieser Ausstellung, dass Bilder von Deutschland ausgesendet worden sind, die Bilder der Heiterkeit, der Klarheit und des Vergnügens waren. Das ist fast nicht zu bezahlen."
Angesichts rechtsradikaler und antisemitischer Gewalttaten in der Vergangenheit sei von der Expo eine Botschaft für ein anderes Deutschland ausgegangen. "Sie hat gezeigt, wie viele Deutsche gegenüber anderen Ländern und Kulturen neugierig sind." Die Expo sei ein Ort der Begegnung gewesen. Angesichts der "Verdienste der Weltausstellung bin ich bis heute beschämt darüber, dass wir, die Gastgeber, unseren Gästen zunächst so zögerlich und so zaghaft erschienen – in vertrauter deutscher Miesepetrigkeit", sagte Thierse.
Philipson sagte, von der Weltausstellung in Hannover könne die "große Welt" das friedvolle und harmonische Zusammenleben lernen. Philipson dankte ausdrücklich Expo-Chefin Birgit Breuel, die häufig kritisiert worden sei. "Lassen Sie uns die Expo nie vergessen und den Kontakt zu den Freunden halten. Deutschland, auf Wiedersehen." Der Präsident des internationalen Weltausstellungsbüros, Gilles Noghes, bewertete die Veranstaltung als ein "großartiges Fest". "Im Laufe der Monate hat die Expo an Größe gewonnen und endet im gemeinsamen Jubel von Veranstaltern und Besuchern." Gerade wegen der mehr als 700 weltweiten Projekte und der veranstalteten Globalen Dialoge gehe große Wirkung von ihr aus. Auch im Zeitalter des Internets hätten Weltausstellungen ihre Begründung. "Niemals wird die Entdeckung virtueller Welten an die Stelle der fühlbaren Realität treten können."
Niedersachsens Ministerpräsident Sigmar Gabriel dankte den Nationen für ihre Teilnahme. "Es ist kein Defizit, was wir am Ende zu tragen haben." Es seien vielmehr Investitionen in die Zukunft des Landes. "Wenn man die Welt zu Gast hat, ist es wie zu Hause: Ein bisschen wird man für die Gäste in die Hand nehmen müssen." Expo- Chefin Brigit Breuel bilanzierte: "Wir gehen mit einem lachenden und weinenden Auge auseinander. Wir nehmen alle etwas mit, das wir für immer behalten werden - eine kostbare Erinnerung." Während der Abschiedsfeier nahmen offizielle Vertreter Japans die Fahne mit dem Symbol der Weltausstellungen entgegen. In der Provinz Aichi wird 2005 die nächste Expo veranstaltet. Sie wird unter dem Motto "Die Weisheit der Natur" stehen. (dpa) (jk)