Weder Fisch noch Fleisch

Rindersteaks, Hühnchenschnitzel und Hackbällchen sind ungesund, umweltschädlich und begünstigen Tierquälerei: Aber welche überzeugenden Alternativen gibt es?

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Von
  • Jan Berndorff

Man nehme eine Handvoll Heuschrecken, entferne Flügel und Beine, gebe sie in eine Pfanne und röste sie kross an, bis sie angenehm duften. Dann etwas Limonensaft hinzugeben, salzen und nach Belieben mit Chilipulver würzen. Salat, Zwiebeln, Bohnen und Guacamole dazu, mit einem Taco umhüllen und fertig sind die „Chapulines à la Mexicana“ – Heuschrecken nach mexikanischer Art. Schleckermäuler tauchen geröstete Heuschrecken auch gern in flüssige Schokolade und verspeisen sie als Süßigkeit. Guten Appetit.

Trotzdem nicht auf den Geschmack gekommen? Dabei wäre eine gute Alternative zu Fleisch bitter nötig. Die Welternährungsorganisation FAO ist überzeugt, dass uns künftig gar nichts anderes übrig bleiben wird angesichts der großen Nachteile des Fleischkonsums. Jeder Mensch der Erde verbraucht im Schnitt pro Jahr 43 Kilogramm Fleisch, der Deutsche sogar doppelt so viel. In diesen Mengen ist das nicht nur für die Gesundheit problematisch. Zahlreiche Studien zeigen, dass Menschen mit hohem Fleischkonsum häufiger an Herz-Kreislauf-Leiden und sogar Krebs sterben. Die Produktion von Fleisch ist zudem schädlich für die Umwelt, weil sie viel Fläche beansprucht und Treibhausgase ausstößt. Und nicht zuletzt bedeutet Massenhaltung Leid für die Tiere.

Da die Weltbevölkerung wächst und immer mehr Fleisch nachfragt, werden die Probleme auf Dauer untragbar. Es müssen also andere Lösungen her. Natürlich könnten alle Menschen Veganer werden. „Für eine Kalorie Fleisch müssen wir fünf bis zehn Kalorien pflanzliches Futter produzieren, bei Rindern sogar noch mehr“, sagt der österreichische Lebensmittelchemiker Kurt Schmidinger, Leiter der privat finanzierten Internet-Initiative Future Food, die sich für Fleischersatz einsetzt. „Gleich die Pflanzen zu essen, wäre deutlich effizienter als der Umweg über das Tier.“ Doch Fleischliebhabern mag der Ersatz aus Gemüse und Körnern nun mal nicht so recht munden.

Wer Insekten verständlicherweise unappetitlich findet, hat womöglich bald einen anderen Ausweg aus diesem Dilemma: Vleisch. Das Kürzel ist kein Tippfehler, sondern steht für veganes Fleisch, ein Produkt, das auf rein pflanzlicher Basis beruht. In Geschmack, Konsistenz, Zubereitung und vor allem im Nährwert soll die Nachahmung echtem Fleisch so nahe wie möglich kommen. Am weitesten verbreitet sind Produkte auf Sojabasis. Tofu etwa kennt inzwischen fast jeder. Weniger bekannt sind Produkte auf Weizenbasis wie Seitan oder auf Basis von Pilzen wie Tempeh und Quorn. Selbst aus Algen werden heutzutage Würstchen und Geschnetzeltes hergestellt. Sie alle bieten ebenfalls jede Menge nahrhafte Proteine und lassen sich grillen, braten oder frittieren wie normales Fleisch. Ein Problem aber ist allen gemeinsam: Den bei Fleischkennern so beliebten saftigen, faserigen Biss haben sie nicht.

Genau da setzen derzeit verschiedene Forschergruppen an.

(inwu)