KBA misst bei vielen Autos hohe CO2-Werte
Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat bei zahlreichen Autos erhöhte CO2-Werte festgestellt. Der ermittelten Werte liegen über jenen, die offiziell für den Neuen europäischen Fahrzyklus (NEFZ) angegeben wurden
(Bild: VW)
(Bild: VW)
Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat bei zahlreichen Autos erhöhte CO2-Werte festgestellt. Der ermittelten Werte liegen über jenen, die offiziell für den Neuen europäischen Fahrzyklus (NEFZ) angegeben wurden. In diesen Ermittlungen liegt ein enormer finanzieller Sprengstoff, denn die CO2-Angaben der Hersteller sind steuerrelevant. Die Messungen wurden den Berichten von Spiegel und der Süddeutschen Zeitung zufolge im Rahmen der Untersuchungskommission des Bundesverkehrsministeriums zum Diesel-Skandal gemacht und stammten aus dem Sommer 2016.
Die Fahrzeughersteller nutzen seit Jahren Lücken im Anforderungskatalog des NEFZ. Das führt zu geringeren Werten auf dem Prüfstand, ist aber nicht illegal. Die jetzt festgestellten Abweichungen ließen sich aber offenbar auf dem Prüfstand nicht nachvollziehen. Im Mai 2016 hatte das Ministerium zur Klärung möglicher Überschreitungen von CO2-Werten bei Autos weitere Prüfungen angekündigt. Im Zusammenhang mit Stickoxid-Messungen waren auch auffällige CO2-Werte bei 30 Fahrzeugen festgestellt worden. „Die auffälligen Fahrzeuge sind einer eigenen CO2-Untersuchung zugeführt worden“, teilte das Verkehrsministerium mit. „Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen. Die Ergebnisse werden nach Abschluss der Untersuchungen in einem eigenen Bericht veröffentlicht.“
Volkswagen hat bereits erste Konsequenzen gezogen. Das Unternehmen teilte auf Anfrage mit, da der technische Zustand der Fahrzeuge bei der Messung nicht mehr rekonstruierbar gewesen sei, habe das KBA Überprüfungsmessungen an allen Fahrzeugen (Passat, Touareg, Golf Sportsvan und Touran) bei einem Technischen Dienst angeordnet. Volkswagen habe sich dafür entschieden, künftig unter Laborbedingungen realitätsnähere CO2-Werte auszuweisen. „Die Ergebnisse der Messungen beim technischen Dienst haben auf Basis der neuen Randbedingungen ergeben, dass die ursprünglich genannten Typprüfwerte von Touran und Golf Sportsvan bestätigt werden konnten, während die Werte des Touareg um 6g/km und die des Passat um 3g/km angehoben werden müssen“, teilte VW mit. Diese Änderungen würden bis spätestens zum Jahresende umgesetzt.
Audi teilte mit, keine Kenntnis über die Messbedingungen und -verfahren zu haben, die zu den zitierten Werten geführt hätten. Deshalb wolle sich das Unternehmen nicht zu den Ergebnissen äußern. Grundsätzlich verwies Audi auf eine Vielzahl von Faktoren, die Messergebnisse verfälschen könnten. Dem Spiegel zufolge stoßen A6 mit Zwei- und Drei-Liter-Motor bei der Messung deutlich mehr CO2 aus als angegeben. BMW teilte mit, vom KBA inzwischen die Information bekommen zu haben, es habe eine Fehlmessung gegeben. Eine weitere Prüfung habe ergeben, dass kein Handlungsbedarf bestehe und der getestete BMW 216d GT die Vorgaben erfülle. Daimler und Opel äußerten sich auf Anfrage nicht zu den Berichten.
(dpa) (mfz)