Lieferpanne bei PC-Systemen für Arbeitsämter
Eine Lieferpanne eines Siemens-Tochterunternehmens verzögert in den 181 deutschen Arbeitsämtern abermals den Start des neuen Computersystems IT 2000.
Eine Lieferpanne eines Siemens-Tochterunternehmens verzögert in den 181 deutschen Arbeitsämtern abermals den Start eines neuen Computersystems. Mit der ursprünglich für Mai 1999 geplanten Inbetriebnahme des Systems IT 2000 sei nun erst im ersten Halbjahr 2001 zu rechnen, berichtete eine Sprecherin der Bundesanstalt für Arbeit (BA) am Donnerstag. Zuletzt hatte die Lieferfirma Siemens Business Services (SBS) zugesagt, das System im Frühherbst 2000 in Betrieb nehmen zu können.
Als Grund für die Lieferpanne hatte die Firma Siemens Business Services (SBS) bereits im Frühjahr den hohen Programmieraufwand im Zusammenhang mit den arbeitsmarktrelevanten Sozialgesetzen genannt. Dieser Aufwand sei unterschätzt worden. Die Bundesanstalt war nach wiederholter Überschreitung von Fristen von dem Vertrag zurückgetreten und hatte von SBS eine Rückabwicklung verlangt.
Wegen der Lieferpanne habe die Bundesanstalt inzwischen die bereits gezahlte Vergütung in Höhe von mehr als 24 Millionen Mark samt Zinsen zurückverlangt. Die SBS habe diese Rückzahlung verweigert. Beide Vertragspartner hätten sich nach Angaben der BA inzwischen darauf verständigt, die strittige Frage in einem Schiedsgerichtverfahren zu klären.
Mit der Lieferpanne und möglichen finanziellen Einbußen für die Nürnberger Bundesanstalt will sich nach einem Bericht des Online-Informationsdienstes informationweek.de demnächst auch der Rechnungsprüfungsausschuss des Deutschen Bundestages befassen. Der Bundesrechnungshof hatte in einem älteren Bericht gerügt, dass mit der verspäteten Inbetriebnahme von IT 2000 der Arbeitslosenversicherung ein Schaden von rund 160 Millionen Mark entstehe. Dies hatte die BA wiederholt zurückgewiesen.
Das System IT 2000 soll "qualifizierten Service aus einer Hand" bieten, wie BA-Präsident Bernhard Jagoda betont hatte. Von 80.000 Personalcomputern sollen sämtliche arbeitsamts-relevante Daten über die "Kunden" der Arbeitsämter abgerufen werden können. Mit dem neuen System, das Teil des Reform-Konzepts Arbeitsamt 2000 ist, könne ein Sachbearbeiter künftig sowohl Berufsberatung betreiben, Stellen vermitteln, Fragen der Leistungsgewährung klären, Arbeitserlaubnisse erteilen und Fragen zum Kindergeld des Betroffenen klären. (dpa)/ (wst)