Kontrollverlust
Jede neue Innovation scheint inzwischen dazu zu fĂĽhren, dass wir die Kontrolle ĂĽber unsere Daten verlieren. Man muss sich einmal klar machen, was das bedeutet.
- Nicolai Josuttis
Auf welch katastrophalem Pfad wir uns inzwischen befinden, haben in den letzten Wochen zwei Ereignisse gezeigt, die erst einmal unabhängig voneinander erscheinen:
- Amazon löschte ungefragt zwei Bücher von den Kindle-Lesegeräten, darunter ironischerweise George Orwells "1984", das Buch mit dem bekannten Thema "Big brother is watching you" (siehe Artikel der New York Times).
- In den Vereinigten Arabische Emiraten vertreibt ein Telefonunternehmen ein Blackberry-Update an seine Kunden, das dazu dient, ausgetauschte E-Mails auszuspionieren (siehe Artikel von The Register).
Beiden Fällen ist gemeinsam, dass damit ganz konkret deutlich wurde, dass wir mit zunehmendem Komfort auch ein Stück Kontrolle abgeben. Anstatt Dinge zu kaufen, bezahlen wir inzwischen nur noch für das Recht, Dienste zu nutzen, auf deren Details wir keinen Einfluss haben. Zunehmend müssen wir online sein und sind Providern letztlich ausgeliefert (siehe dazu den lesenswerten Artikel auf Spiegel Online).
Und dieses Prinzip zieht sich zunehmend durch unser ganzes Leben:
- Unsere Business-Kontakte werden bei XING abgespeichert;
- unsere sozialen Kontakte stehen in Facebook oder StudiVZ;
- unsere E-Mails laden wir nicht mehr mit dem POP-Protokoll lokal herunter, sondern bearbeiten wir mit dem IMAP-Protokoll gleich auf dem Mail-Server;
- Office-Dokumente werden in Google Docs auf den Google-Servern verwaltet; und
- unter dem Stichwort Cloud Computing wird das Ganze nun zum systematischen Prinzip erhoben.
Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer heutzutage wesentlichen Strategie von Unternehmen: Der Kunde soll nicht einmal, sondern regelmäßig zahlen. Im Zweifelsfall wird billig angefüttert. Aus diesem Grund verkaufen Saatgutunternehmen nur noch das Recht zur einmaligen Aussaat, Druckerhersteller patentierte Toner und Kaffeemaschinenhersteller patentierte Kaffee-Pads.
Für uns ist das alles super bequem und viel ressourcenschonender. Schade nur, dass dabei Themen wie Sicherheit, Datenschutz und Privatsphäre zunehmend zum Problem werden (zumal sich im Zuge der Globalisierung eher die amerikanische Sichtweise von Privatsphäre durchsetzt).
Wenn dann noch hinzu kommt, dass man Providern nicht mehr trauen kann (sei es, dass sie kommerzielle immer mehr den Nutzerinteressen vorziehen, sei es, dass im Zuge der Terrorbekämpfung Trojaner zugelassen werden müssen), dann bleibt eigentlich nur noch eines: Open Source. Ein zunehmend schlagkräftiges Argument für Linux oder die Google-Betriebssysteme (interessant, dass hier der der größte Datensammler der Welt für mehr Transparenz sorgt).
Immerhin erlaubt uns Java das Dekompilieren von fragwĂĽrdigem Code. Schauen wir mal, wann Provider wieder auf C oder C++ umschwenken ... ()