Portal-Overkill: Schon wieder ein E-Stadttor für Berlin
Kommentar: Berlin.de, BerlinOnline.de - ohnehin hat Berlin schon viele elektronische Stadttore. Jetzt gibt es noch eins mehr.
Viele Verleger scheinen zu glauben, dass Berlin dereinst vielleicht noch einmal abgeschnitten werden könnte vom Rest der Welt. Dies würde jedenfalls erklären, warum so viele Verlage ihre elektronischen Rosinenbomber starten und die Berliner Luft mit einer Online-Luftbrücke durchschneiden.
Auch der Axel Springer Verlag ist jetzt mit einem Internet-Portal ein Berliner im Netz. Da Berlin.de schon vergeben ist, heißt dieses digitale Einfallstor in die Stadt nun Berlin1.de.
Wie das "offizielle Portal vom Land Berlin", Berlin.de, das Gruner+Jahr-Portal BerlinOnline, dem die Berliner Zeitung sowie das Stadtmagazin Tip zuliefern, wie ferner der Stadt-Server MeineStadt.de/Berlin, die Hochglanz-Postille Prinz.de, der Stadtinformationsdienst Berlin-Info oder MeinBerlin mit Tagesspiegel und Zitty will auch das Springer-Portal "eine Mischung aus aktuellen Informationen sowie Service- und Unterhaltungsangeboten für die Hauptstadt" anbieten. Die Betreibergesellschaft des Portals, die Ullstein GmbH, eine 100-prozentige Springer-Tochter, teilte mit, dass es im Detail um "Sport, Stadtleben, Reise, Familie, Musik und Wohnen sowie Bezirke und Behörden" gehen soll. Dies ist genau der "City-Life-Content", wie das Magazin Prinz das nennt, den auch die anderen Berlin-Sites bieten.
Bei der Finanzierung setze Berlin1.de vor allem auf den regionalen Werbemarkt, heißt es bei Ullstein – auch darin sind sich diese Portal-Betreiber mit allen anderen einig.
Spannender als die immer gleichen Hauptstadt.de-Verlautbarungen bleibt da schon die Frage, wer sich Berlin in Kombination mit den sieben neuen Domain-Namen sichern wird. Denn jetzt erst ist doch die wahre Luftbrücke in die Hauptstadt möglich: Berlin.aero.
Kein Zufall ürbrigens, dass ausgerechnet der Berliner Webhoster Strato die Zeichen der Zeit erkannt hat und mit den so genannten @Domains daherkommt. Demnach soll es jetzt noch mehr Kombinationsmöglichkeiten für Hauptstadtsites geben. Der ursprüngliche Domainnamen soll dabei durch ein Präfix, das mit einem Klammeraffen angeschlossen wird, erweitert werden: Berlin.aero@aero.de, oder was? Mit so viel neuer Luft jedenfalls könnte das Gerangel um den elektronischen Luftraum über Berlin getrost in eine neue Runde gehen. (mbb)