Von Kohle und Stahl zu neuen Technologien

Die Gründer-Szene in NRW boomt, vor allem dank öffentlicher Programme.

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Von
  • Frank Rohse

Mit aktiven Massnahmen steuert Nordrhein-Westfalen aus der Kohle-Sackgasse. Die Region ist von der Stahl- und Kohleindustrie geprägt, jetzt kommen die Hightech-Firmen. 300 Millionen Mark stellt die gemeinsame Gründungsoffensive von Land und Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen GO! seit 1995 jährlich zur Verfügung. Ziel ist die Schaffung einer "neuen Kultur der Selbstständigkeit", heisst es im Gründungsaufruf. Und anscheinend mit Erfolg: Das Wirtschaftsministerium in Düsseldorf verzeichnet seit 1995 fast zwölf Prozent mehr Selbstständige. In den anderen alten Bundesländern sind es im Schnitt nur gut fünf Prozent.

Markus Löcker ist einer der neuen Frimengründer. Mit seinem Unternehmen PureConsult arbeitet er an Abrechnungsmethoden für Micro-Payments über die Telefonrechnung. In einigen Wochen wird das 1999 gegründete Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, Grundkapital 50.000 Euro. Die Mitarbeiterzahl wird dann von drei auf fünfzehn steigen. "Keiner von uns hat die Vision, das Unternehmen in drei Jahren zu verkaufen und mit ein paar Milliönchen in der Sonne zu liegen", sagt Löcker. Anstatt Luftschlösser zu bauen, setzt er auf viel Arbeit und eine realistische Einschätzung seiner Lage.

"Marktkenntnis ist eine wichtige Voraussetzung", betont Wieland Pieper, Geschäfstführer für Industrie, Technologie und Wirtschaftsförderung der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Münster. Außer einer guten Ausbildung müsse man belastbar sein und in den ersten Jahren für wenig Geld meist mehr als üblich leisten. Immer wieder musste Löcker in der Gründungsphase neue Herausforderungen meistern. Es galt, steuerliche Regelungen und vertragsrechtliche Bestimmungen zu erlernen. "Als Gründer müssen wir in allen Bereichen fit sein", sagt Löcker. Veranstaltungen für Gründungsinteressenten und junge Unternehmer in Nordrhein-Westfalen sollen Abhilfe schaffen, allein im IHK-Bezirk Münster, wo das neue Unternehemen seinen Sitz hat, gibt es jährlich rund 400 davon. Sie reichen von Spezialseminaren zu Steuer- und Rechtsfragen bis zum Stammtisch für junge Unternehmer. "Solche Angebote sind durchweg gut besucht", stellt Pieper fest.

Im Dortmunder Technologiepark versteht man sich als "Kind und Motor des Strukturwandels". In direkter Nachbarschft zur Uni Dortmund haben sich dort in den letzten fünfzehn Jahren fast 200 Firmen aus den Bereichen Mikrostrukturtechnik, Software-Entwicklung, Elektronik oder Dienstleistungen mit insgesamt rund 8.400 neuen Arbeitsplätzen angesiedelt. Viele der Firmen im Technologiepark sind aus dem vor 15 Jahren gegründeten Technologiezentrum entstanden.

Hightech-Unternehmen wie Elmos oder Kostal sind hier die Aushängeschilder. Der Halbleiter-Produzent Elmos Semiconductor AG war eines der ersten Unternehmen, das in dem heute rund 40 Hektar großen Park Fuß gefasst hat. Elmos beschäftigt zurzeit rund 500 Mitarbeiter. Mittelfristig rechnet die Geschäftsleitung mit einem kräftigen Wachstum. "Wir glauben, dass sich in fünf Jahren die Zahl unserer Mitarbeiter verdoppeln kann", erklärt Unternehmenssprecher Jörg Gondermann.

"Die Verantwortlichen in Dortmund haben sehr früh die Zeichen der Zeit erkannt und Mittel für den Strukturwandel bereitgestellt. Ohne diese Unterstützung hätten der Park und auch Elmos nicht so schnell wachsen können", sagt Gonderman. Mit Büroflächen und finanziellen Mitteln werden in Dortmund innovative Geschäftsideen gefördert. "Wir sind so etwas wie ein Brutkasten für junge Unternehmen", meint Guido Baranowski, der Geschäftsführer des Zentrums. Viele der Unternehmen siedeln sich später in direkter Nachbarschaft zum Zentrum an, sobald sie wettbewerbsfähig geworden sind. So ist der Techno-Park nach Einschätzung von Baranowski mittlerweile einer der bundesweit führenden Standorte für neue Technologien geworden. Die Förderung zahlt sich im Nachhinein auch für die Stadt aus. (fro)