Gen-Spray schĂĽtzt Pflanzen
Forscher in Australien haben erfolgreich ein Verfahren zum Versprühen von RNA entwickelt, das Tabakpflanzen resistent gegen einen Virus macht. Ähnlich wie frühere Gentechnik dürfte es jedoch umstritten bleiben.
- Jamie Condliffe
Australischen Wissenschaftlern ist es gelungen, mit Hilfe eines speziellen Sprays ein Gen in Tabakpflanzen abzuschalten und sie auf diese Weise mehrere Wochen lang resistent gegen einen Virus zu machen.
Entwickelt wurde das Verfahren, bei dem RNA auf die Blätter der Pflanzen aufgebracht wird, von einem Team an der University of Queensland. In dem Spray sind winzige Stücke Ton enthalten, in die RNA geladen wird. Wenn der Ton an den Blättern haften bleibt und allmählich zerfällt, wird die RNA von den Pflanzen aufgenommen und stört dann die Funktion eines bestimmten Gens.
In einem in der Fachzeitschrift Nature Plants veröffentlichten Fachaufsatz zeigt das Team, dass eine einmalige Anwendung des Sprays ausreicht, um Tabakpflanzen volle 20 Tage lang vor dem Pepper Mild Mottle Virus zu schützen. Dies sei möglich, weil der Ton gut an den Blättern haften bleibt und so dafür sorgt, dass die RNA der Pflanze so lange wie möglich zur Verfügung steht.
Das Projekt ist keineswegs der erste Versuch, Pflanzen auf diese Weise zu schützen. Auch Monsanto zum Beispiel hat bereits RNA-Sprays entwickelt, dabei aber auf Insekten abgezielt, die Pflanzen aufessen. In diesen Fällen diente die RNA zum Töten des Ungeziefers und nicht dazu, die Resistenz der Pflanze zu erhöhen.
Die Gen-Stilllegung mittels RNA-Spray hat einige klare Vorteile. So sind solche Sprays schneller zu entwicklen als ganz neue Stämme genetisch veränderter Pflanzen und lassen sich möglicherweise bei vielen unterschiedlichen Pflanzen einsetzen. Auch ihre nur vorübergehende Wirkung muss nicht unbedingt eine Schwäche sein: Sie könnte Landwirten die Möglichkeit geben, Gene nur dann abzuschalten, wenn es wirklich nötig ist.
Wie die Zeitschrift New Scientist berichtet, ist das Potenzial solcher Sprays nicht einmal auf den Einsatz als Pflanzenschutzmittel beschränkt: Sie könnten Pflanzen auch dürretoleranter machen, die Reifung auslösen oder andere genetisch kontrollierte Prozesse aktivieren.
Trotzdem dürfte der Einsatz derartiger Sprays nicht unumstritten bleiben. Befürworter sagen, dass RNA nicht problematisch ist, wenn sie in die Nahrungskette von Menschen gelangt. Denn wie belegt wurde, zerfällt sie in einer Umgebung mit Spucke und Magensäure rasch. Skeptiker dagegen erklären, es gebe nicht genügend Beweise dafür, dass RNA nicht doch eine Gefahr für Tiere, Insekten und andere Pflanzen darstellt.
Wie zuvor bei gentechnisch veränderten Organismen könnte deshalb auch diese viel versprechende neue Technologie Probleme haben, breite Unterstützung zu gewinnen – egal, wie nützlich sie sein mag.
(sma)