Italien: Festgenommener Nuklearingenieur bestreitet Cyberspionage
Anfang der Woche wurde in Italien ein Geschwisterpaar festgenommen, weil sie Prominente gehackt haben sollen, um die erbeuteten Informationen zu verkaufen. Beide bestreiten die VorwĂĽrfe; derweil gelangen Unstimmigkeiten bei den Ermittlern ans Licht.
(Bild: Camilo Rueda LĂłpez, CC BY-ND 2.0)
Ein Anfang der Woche von der italienischen Polizei festgenommener Nuklearingenieur und seine Schwester bestreiten die gegen sie erhobenen Vorwürfe der Cyberspionage. Die in London lebenden Geschwister sollen hochrangige Politiker, Wirtschafts- und Kirchenvertreter sowie Institutionen ausgespäht und die Informationen auf einem Server in den USA gespeichert zu haben, berichtet die italienischen Nachrichtenagentur Ansa.
Während der Ingenieur selbst die Vorwürfe zurückweist und erklärt, Server in den USA seien für die Arbeit genutzt worden, habe seine Schwester erklären lassen, dass sie "nicht einmal wisse, wie man einen PC benutzt".
Prominenten-Datenbank
Das Paar soll eine Datenbank mit 18.327 Nutzernamen angelegt haben, von denen 1793 auch ein zugehöriges Passwort gehabt hätten. Die damit gesammelten Informationen habe das Paar verkaufen wollen, erklärt Politico den gegen die Beschuldigten erhobenen Vorwurf.
Zu den Zielen gehörte demnach der ehemalige Premierminister Matteo Renzi, dessen E-Mail-Konto im Juni 2016 geknackt worden sein soll, als er noch im Amt gewesen war. Auch der Ex-Premier Mario Monti und der jetzige EZB-Präsident Mario Draghi seien betroffen. Bei Draghi gehe es aber nicht um dessen E-Mail-Adresse bei der EZB. Das FBI habe die Server bereits beschlagnahmt, sie sollen in zwei Wochen in Rom ankommen.
Unregelmäßigkeiten bei den Ermittlern
Aufgedeckt wurde das Ganze von der italienischen Post- und Telekommunikationspolizei (Polizia Postale e delle Comunicazioni) die für Internetkriminalität zuständig ist. Offenbar wurden dabei aber hochrangige Vertreter nicht über den Verdacht rechtzeitig informiert, weswegen der Chef der Behörde bereits Mitte der Woche auf einen neuen Posten versetzt wurde, wie Ansa berichtet.
Außerdem sei ein Carabinieri wegen des Verdachts befragt worden, er habe dem Geschwisterpaar helfen wollen, als er überprüfen ließ, ob gegen sie ermittelt werde. Damit habe er dem Wunsch eines ungenannten Dritten entsprochen, der wie der verdächtigte Nuklearingenieur Mitglied der Freimaurer ist. (mho)