Rettet die Mäuse!
Tierversuche sind für die biomedizinische Forschung oft unumgänglich. Trotzdem gibt es diverse Initiativen, die Testreihen auf das unbedingt Notwendige einschränken wollen.
- Inge WĂĽnnenberg
Als eine "Kernmethode im biomedizinischen Forschungsbereich" können Tierversuche nicht einfach abgeschafft werden, sondern müssen als wichtiger Bestandteil akzeptiert werden. Dieser Auffassung ist nicht nur Stefan Treue, Direktor des Deutschen Primatenzentrums in Göttingen und Sprecher der Initiative "Tierversuche verstehen". Trotzdem sind Forscher heutzutage bemüht, Tierversuche zu reduzieren. Davon zeugt zum Beispiel ein jetzt veröffentlichtes White Paper der Max-Planck-Gesellschaft. Die deutsche Forschungsorganisation hatte zum Thema "Tierversuche in der Grundlagenforschung" eigens eine internationale Expertenkommission einberufen.
Das Ergebnis der Beratungen, an denen neben anderen Lebenswissenschaftler, Verhaltensforscher und Ethiker teilgenommen haben, ist ein Plädoyer für den Wert des Wissens an sich. Auf der anderen Seite sei aber der "erwartete Erkenntnisgewinn" gegen die "Beeinträchtigung des Versuchstiers" abzuwägen, heißt es in der Veröffentlichung der Max-Planck-Gesellschaft. Trotzdem: "Vernetzte Systeme wie etwa das Immunsystem oder das Gehirn können wir nicht allein durch die Untersuchung ihrer einzelnen Bausteine oder durch vereinfachte Modelle und Computersimulationen verstehen", begründet Hirnforscher Wolf Singer als Leiter der Expertenkommission deren Einschätzung, dass die biologische und medizinische Forschung nach wie vor auf Experimente mit Tieren angewiesen ist.
Dennoch versucht die Forschungseinrichtung, das Wohl der Tiere stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Dazu zählt auch die Erweiterung der drei "R"-Prinzipien, denen sich die Max-Planck-Wissenschaftler – wie viele andere Forscher auch – verpflichtet fühlen. Neben Replacement (Ersatz von Tierversuchen), Reduction (Reduzierung von Tierversuchen) und Refinement (Minimierung der Belastungen der Tiere) stellt die Kommission ein viertes "R" für den Anspruch der "Responsibility", der Verantwortung. Die Experten verknüpfen damit die Forderung, "Schäden und Belastungen in Tierversuchen auf der Basis neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse über die Empfindungsfähigkeit, das Bewusstsein und die Intelligenz von unterschiedlichen Tierarten" ständig neu zu bewerten.
Einen anderen Weg zur Verringerung von Tierversuchen schlägt dagegen die britische Plattform SEARCHBreast ein. Ihr Ziel sei es, schreibt die Krebsspezialistin Valerie Speirs von der University of Leeds auf der Webseite des kanadischen Magazins "The Scientist", anderen Forschern übrig gebliebenes Material von Tierstudien anzubieten. Das senke nicht nur die Kosten, sondern rette unter Umständen eben auch Tierleben im Sinne der 3 "R"-Prinzipien. Beiden Ansätzen gemein ist es, künftig noch bewusster mit Tierversuchen umzugehen. Und vielleicht macht ja dieses britische Modell Schule. (inwu)