Laser gegen Insekten

Ein aus Asien eingewanderter Schädling macht Zitrus-Farmern in Florida schwer zu schaffen. Helfen soll ihnen bald ein Hightech-System mit Kameras und Lasern – wenn es nicht zu teuer wird.

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Von
  • Tom Simonite
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Die Anbauer von Zitrusfrüchten in Florida sind im Krieg. Ein fremdes Insekt namens asiatischer Zitrusblattfloh verbreitet eine Krankheit, die das Reifen ihrer Früchte verhindert. Die Bilanz bisher: Die Orangen-Produktion ist unter das Niveau von 2005 gesunken. Die Farmer versprühen Pestizide dagegen und holen erkrankte Bäume aus ihren Feldern, aber der Kampf scheint sich nicht gewinnen zu lassen. "Allmählich fragen wir uns, ob wir das überhaupt kontrollieren können", sagt John Barben, ein Landwirt aus Highlands County.

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Intellectual Ventures aber, ein vom früheren Microsoft-Technikchef Nathan Myhrvold mitgegründetes Unternehmen, sieht in der schwierigen Lage in Florida beste Voraussetzungen für Tests mit einer ungewöhnlichen und noch unerprobten Methode zur Insektenbekämpfung. In diesem Sommer will das Unternehmen an einem Standort des US-Landwirtschaftsministeriums ein Gerät installieren, das Zitrusblattflöhe mit Kameras identifiziert und dann mit einem Laserstrahl abschießt.

Es wird der erste Praxistest für ein Gerät sein, das eigentlich zur Bekämpfung von Malaria übertragenden Mücken in armen Gegenden auf der Welt entwickelt wurde. Erst einmal muss aber die Hürde zum kommerziellen Einsatz genommen werden. "Wir haben das Ziel noch nicht aufgegeben", sagt Jeremy Salesin, der die Kommerzialisierung der Technologie leitet. "Aber um den dafür nötigen Kostenpunkt zu erreichen, brauchen wir eine große Zahl von Einheiten und ein Gerät, bei dem es sich nicht mehr um die erste Generation handelt."

Laser gegen Insekten (7 Bilder)

Obstbauer in Florida, wie John Barben sind verzweifelt: Die Orangenerträge haben einen Tiefstand seit 2005 erreicht.
(Bild: Britt Reints / Flickr / cc-by-2.0)

Intellectual Ventures hat inzwischen den vierten Prototypen seines so genannten Photonic Fence entwickelt. Dessen Todeszone erstreckt sich über horizontal 30 Meter und vertikal 3 Meter, und der schießende Zaun hat schon Mücken, Zitrusblattflöhe und Fruchtfliegen erwischt.

Töten mit einem Laserstrahl hört sich hässlich an. Laut Arty Makagon, dem technischen Leiter des Projekts, tötet der augensichere und unsichtbare Infrarot-Laser absolut sauber. Er sei so kalibriert, dass er gerade genügend Wärme verursacht, ohne Energie zu verschwenden. "Wenn man es unter dem Mikroskop ansieht, kann man nicht erkennen, wo es getroffen wurde", sagt er über ein Insekt, das von dem Gerät aus der Luft geholt wurde. "Es gibt keine Brandspuren, keine klaffende Wunde."

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In diesem Sommer wird der Photonic Fence in Florida zunächst gegen Zitrusblattflöhe eingesetzt, die sich in einem so genannten Screen House befinden, einer Art Zelt mit Wänden aus feinen Netzen. Wenn sich dabei zeigt, dass das Gerät nicht auch Bienen tötet, soll es anschließend als Ersatz für eine der Zeltwände dienen und erstmals Zitrusblattflöhe angreifen, die sich frei bewegen können. Später sollen mehrere der Geräte zusammen einen Ring um Zitrusbäume bilden.

Auch Tests seines Geräts in Kalifornien, wo die Blattflöhe noch nicht so verbreitet sind, aber zunehmen, hat Intellectual Ventures schon beantragt. Im nächsten Jahr will das Unternehmen eine neue Version mit einer Reichweite von 100 Metern bei Zitrus-Anbauern testen. Laut Silesin haben sowohl Pepsi als auch Coca-Cola Interesse an dem Projekt bekundet. Beide Unternehmen verkaufen Getränke mit Zitrus-Anteilen und arbeiten eng mit Obstbauern rund um die Welt zusammen.

Farmer Barben zeigt sich angetan von der Technologie. "Sie hört sich ein bisschen nach Star Wars an, aber ich probiere gern alles aus", sagt er. Das Projekt begann ursprünglich mit einem Vorschlag des Astrophysikers Lowell Wood, der früher bei der Strategic Defense Initiative arbeitete. Die angebliche Fähigkeit des Systems, nur schädliche Insekten anzugreifen, wäre in den zwei Monaten pro Jahr hilfreich, in denen Zitrusbäume blühen, erklärt Barben. In dieser Zeit stellen die Farmer das Versprühen von Insektiziden ein, um nicht die Bienen zu schädigen, die zur Befruchtung der Bäume gebraucht werden.

Letztlich aber wird Intellectual Ventures das System irgendwie wirtschaftlich machen müssen. "Es gibt eine Menge Technologie, die wir einsetzen könnten, wenn sie nicht so teuer wäre", sagt Barben. Laut Silesin lassen sich die Kosten für einen marktfähigen Photonic Fence derzeit noch nicht abschätzen. Die Ausgaben der Branche für Insektizide und neue Bäume sieht er jedoch als Beleg dafür, dass sie durchaus bereit wäre, in etwas Neues zu investieren. "Es ist ein globales Problem – niemand hat bislang eine Lösung gegen den Blattfloh", sagt er.

(sma)