Das Internet schafft seine Täter selbst
Der stellvertretender Leiter der Münchner "Polizeistreife im Internet", Rainer Richard, sieht im Internet so etwas wie ein Kriminalitätsgenerator.
Dem Symposium Freiheit und Internet, organisiert von der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich und der Swiss Internet User Group, gelang es kaum, neue Sichtweisen auf das Spannungsfeld zwischen Reglementierung und Freiheit der Meinungsäußerung im Internet zu präsentieren. Den stärksten Hang zur Beschneidung der Freiheit offenbarte am Dienstag Nachmittag in Zürich Rainer Richard, stellvertretender Leiter des Kommissariats 343 in München: Richard sieht im Internet so etwas wie ein Kriminalitätsgenerator. Als Beleg für die gewagte These, musste die Kinderpornographie herhalten. Erst mit dem Internet habe die Verbreitung von solcherlei Erzeugnissen zugenommen. Und was Delikte gegen die Infrastruktur angehe, "schafft das Internet seine Täter gleich selbst."
Auf der liberalen Seite saß Andy Müller-Maguhn vom Chaos Computer Club: So etwas wie "problematische Inhalte" gebe es nicht, erklärte Müller-Maguhn. Selbst Schaden verursachende Viren gäben nützliche Hinweise auf Sicherheitslücken und Mängel bei Standardeinstellungen von Software. Die Bestrafung von Viruserfindern sei also ein höchst zweifelhaftes Unterfangen. Die übrigen Referenten bewegten sich zwischen diesen beiden Polen und plädierten in den meisten Fällen für ein Sowohl-als-auch. Der Jurist und IT-Fachpublizist David Rosenthal etwa sah wirtschaftlichen Druck als mögliches Selbstregulativ, damit Hosting- und Content-Provider problematische oder strafbare Inhalte nicht länger anbieten.
Mehr in Telepolis: Welche Freiheiten im Netz? (Nick LĂĽthi) / (wst)