Brennstoffzelle: Begeisterte Forscher, zögerliche Industrie
70 Aussteller präsentieren Brennstoffzellen-Technik auf der Hannover Messe Industrie.
In einem Hamburger Kindergarten hat sich die Technik schon bewährt, dennoch sind Verbraucher und Industrie noch immer skeptisch. "Sie wissen einfach zu wenig über das Prinzip der Brennstoffzelle", sagte Arno Evers. Mit dem von ihm organisierten Auftritt von Unternehmen und Forschungsinstituten auf der Hannover Messe macht er seit 1995 Werbung für die "saubere Energiequelle". "Vor sechs Jahren haben wir mit zehn Ausstellern angefangen, in diesem Jahr werden es knapp 70 sein."
Ob im Handy, im Auto oder im Großkraftwerk – überall funktioniert die Brennstoffzelle nach dem gleichen Prinzip. Sie erzeugt Strom und Wärme aus Wasserstoff und Sauerstoff, indem sie chemische in elektrische Energie umwandelt. Dabei entstehen Wasser und Wärme – sozusagen als Abfallprodukte. "Dieser Abfall kann genutzt werden, ohne schädliche Emissionen auszustoßen und ohne mechanische Vorgänge, die laut sind und Verschleiß mit sich bringen", sagt Evers. Zudem zeichneten sich Brennstoffzellen durch hohe Speicherkapazität und Effizienz aus.
Unternehmen und Forschungsinstitute arbeiten seit Jahren an der Weiterentwicklung der "zukunftsträchtigen Technologie". So gelang es Wissenschaftlern des Forschungszentrum Jülich Anfang des Jahres mit einer Brennstoffzelle die "1000-Watt-Schallmauer" zu überwinden. "Der von uns entwickelte Brennstoffzellen-Stapel liefert 1600 Watt und reicht damit für den Durchschnittsverbrauch eines Einfamilienhauses", sagte Bert de Haart vom Jülicher Forschungsteam.
"Wir entwickeln die Technologien, die Industrie muss die serientauglichen Systeme entwickeln." Noch sei der Einsatz von Brennstoffzellen teurer als der von konventionellen Energieträgern. "Wir arbeiten daran, dass ein Brennstoffzellenantrieb in Zukunft genauso viel kostet wie ein Dieselmotor", sagt de Haart.
Auch die Automobilindustrie hat die Brennstoffzelle längst für sich entdeckt. Opel präsentierte im letztjährigen Genfer Automobilsalon den Kompakt-Van Zafira mit Brennstoffzellen, BMW arbeitet an einem Bord-Energiesystem, das von Brennstoffzellen betrieben wird und DaimlerChrysler wird sein neuestes Brennstoffzellen-Modell, NECAR5, auf der Hannover Messe vorstellen. Der Stuttgarter Autobauer will zudem im nächsten Jahr mit Brennstoffzellen angetriebene Stadtbusse ausliefern. Im Jahr 2004 sollen dann die ersten serienmäßigen Pkw folgen – allerdings nicht in großer Stückzahl.
Der Frankfurter Verband der Automobilindustrie (VDA) misst dem System zwar ein hohes Zukunftspotenzial zu, erwartet die serienmäßige Herstellung aber erst in einigen Jahren: "Wir rechnen damit, dass ein verbreiterter Einsatz dieser anspruchsvollen emissionsfreien Antriebe in Serienfahrzeugen gegen 2010 möglich sein wird", sagte VDA-Präsident Bernd Gottschalk. Und Brennstoffzellen-Promoter Evers weiß auch, warum: "Im Jahr 2004 wird in Kalifornien ein Gesetz in Kraft treten, nach dem 10 Prozent der Flotte eines jeden Herstellers emissionsfrei fahren müssen." So seien die Hersteller, die auf dem kalifornischen Markt bestehen wollen, gezwungen, solche Fahrzeuge anzubieten. "Über kurz oder lang wird dann auch Europa folgen."
Ein weiteres Einsatzfeld der Brennstoffzellen sind Geräte wie Handys, Laptops oder Discman. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) wird auf der Hannover Messe Industrie Produktneuheiten für die gesamte "Mobile-Office-Branche" und die Kommunikationstechnologie vorstellen. "Erstmals können wir ein funktionstüchtiges und gehäuseintegriertes Brennstoffzellensystem zeigen", erläutert Ulf Groos vom Fraunhofer ISE. Noch ein Jahr veranschlagt er für die weitere Entwicklung, danach läge es an den Industriepartnern serienmäßige Produkte auf den Markt zu bringen. (Britta Schmeis, dpa) / (klp)