Internet-Hotline: Beschwerden über Kinderpornografie nehmen anteilsmäßig wieder zu
Darstellungen des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen bereiteten der FSM-Beschwerdestelle 2016 mit 30 Prozent der Eingaben die größte Arbeit. Insgesamt ging das Aufkommen um 15 Prozent zurück.
Leichte Entspannung an der Online-Hotline der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM). Obwohl auch 2016 ein bewegtes Jahr mit medialen Debatten über "Fake News", "Hate Speech" oder Terrorpropaganda war, ging die Zahl der Beschwerden bei der Hotline im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr laut einer Mitteilung vom Dienstag um 15 Prozent zurück. Insgesamt liefen dort 4644 Meldungen auf, während es 2015 noch 5448 waren. Die Rekordzahl hatte die FSM seinerzeit unter anderem auf "gesellschaftspolitische Spannungen zur Flüchtlingskrise" zurückgeführt.
97 Prozent in Deutschland gelöscht
Der größte klar erkennbare Teil der Beschwerden bezog sich 2016 mit 1394 erneut auf Darstellungen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen. Er stieg von 28 Prozent im Vorjahr auf 30 Prozent. In absoluten Zahlen ergibt sich auf diesem Feld aber angesichts des insgesamt niedrigeren Meldeaufkommens ein Rückgang von über 9 Prozent. Von solchen Inhalten konnten in Deutschland laut FSM 97 Prozent innerhalb einer Woche gelöscht werden. Im Ausland waren nach vier Wochen 74 Prozent aus dem Netz, was ein deutlich besseres Resultat ist als 2015 mit 62 Prozent binnen der gleichen Frist.
Die Quote der entfernten Kinderpornographie in anderen Ländern ist im Vergleich zum Inland regelmäßig schlechter aufgrund unterschiedlicher Rechtslagen. Mehr gelöscht werden konnte der FSM zufolge dort, weil mehr der betroffenen Provider direkt über das Netzwerk Inhope kontaktiert worden seien. Das Bundeskriminalamt (BKA), das die meisten über die Hotlines eingehenden Hinweise auf Missbrauchsdarstellungen weiterleitet, verwies für 2015 auf eine schlechtere Quote als 2014. Diese lag mit 81 Prozent nach einem Monat aber immer noch höher als die der FSM.
263 Beschwerden über Rechtsradikalismus
Nach kinder- und jugendpornografischen Inhalten mussten die FSM-Prüfer Erwachsenenpornografie mit 718 Fällen beziehungsweise 16 Prozent am häufigsten bearbeiten, gefolgt von Meldungen zu weiterem jugendgefährdenden Content mit 7 Prozent. Die Zahl der Beschwerden über Rechtsradikalismus hat sich nach der großen Zunahme in 2015 nur noch unwesentlich verändert; sie machen mit 263 Eingaben 6 Prozent aus, während der Anteil im Vorjahr bei 5 Prozent lag. Zu diesem Bereich zählen etwa "die Verbreitung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen" mit 227 Fällen und die Leugnung des Holocaust mit 36 Vorkommnissen. Als volksverhetzend stuften Mitarbeiter der Beschwerdestelle 103 Inhalte ein.
Der Anteil der "sonstigen" Meldungen ist mit 32 Prozent oder 1536 Fällen in etwa gleich geblieben gegenüber 2015. Hierunter fallen Inhalte, für die die Hotline gar nicht zuständig ist oder die nicht gegen jugendmedienschutzrechtliche Vorschriften verstoßen. Die parallel arbeitende Internet-Beschwerdestelle des eco-Verbands der Internetwirtschaft will kommende Woche ihre Zahlen präsentieren.
Update 2.3.2017, 12.00 Uhr: Überschrift verändert, dritter Satz im zweiten Absatz ergänzt. (anw)