Vorteile einer ausgeschlafenen Gesellschaft

Mit Studienergebnissen den eigenen Unmut über einen Sachverhalt zu stützen, ist eine tolle Sache. Das heutige Objekt zur Demonstration: die Umstellung auf die Sommerzeit.

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Es ist zwar noch knapp zwei Wochen hin, doch dann kommt sie wieder einmal: die Zeitumstellung. Ja, ich weiß: Es ist toll, dass es abends so lange hell bleibt und morgens früher hell ist. Und dennoch ist es für mich diesmal die schlechte Variante der Zeitumstellung, denn immerhin wird mir eine Stunde Schlaf gestohlen. Das gern gebrauchte Argument für die Zeitverschiebung, dass man durch die "geschenkte" Stunde am Abend Energie sparen könne, hat sich in Studien nicht in dem Maße bestätigt. Eine Untersuchung des Büros für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag hat den eingesparten Strom auf 0,2 Prozent beziffert – nichts also, was einen deutlichen Effekt haben könnte.

Forscher machen vielmehr auf die gefährlichen Folgen der vorgezogenen Stunde aufmerksam. Damit kann man als Zeitumstellungs-Muffel seinen Unmut endlich mit Studien untermauern. Es zeigte sich, dass sich Autounfälle, Schlaganfälle und Herzinfarkte in der Zeit nach der Umstellung häuften. Außerdem stellte eine Studie unter dem prägnanten Titel "Schläfrige Richter sind strengere Richter" fest, dass Urteile von Richtern, die unter dem künstlichen Zeitentzug litten, härtere Urteile fällten. Umgekehrt stellen zwei Wissenschaftler von der Cornell University die diversen Vorteileeiner ausgeschlafenen Gesellschaft heraus, etwa von vermiedenen Krankenhausaufenthalten durch eine bessere Gesundheit oder der Anstieg von Produktivität bei der Arbeit.

Damit ist es offiziell und lässt sich überspitzt zusammenfassen: Der Eingriff in die Schlafgewohnheiten mittels Zeitumstellung ist dumm, gesundheitlich gefährlich und – ja, sogar teuer. Und dennoch wird es am 26. März wieder heißen "Adieu, Winterzeit", "Hello, Morgenmuffel". Ein kleiner Lichtblick tut sich dennoch auf. Nach etwa drei bis vier Wochen soll sich der Körper an den Wandel gewöhnt haben. Gesundheitlich sollte man dann also aus dem Schneider sein.

(jle)