Ferngesteuerte Tiere mit neuen Sinnen
Die Wissenschaft verleiht Tieren Fähigkeiten, über die sie zuvor nicht verfügten. Im Team mit Robotern könnten sie künftig Arbeiten erledigen, für die heutigen Maschinen noch das Knowhow fehlt.
Teams aus Tier und Roboter sollen eines Tages Aufgaben bewältigen, die einen der beiden Partner allein bislang überfordern.
(Bild: Shutterstock, pakhnyushchyy/123rf)
- Christian Honey
Mit der Fähigkeit, Infrarotlicht wahrzunehmen, statteten Forscher der amerikanischen Duke University jetzt in einem Laborexperiment eine Ratte aus. Dafür implantierten Miguel Nicolelis und sein Team dem Tier drei Stimulationselektroden in den somatosensorischen Kortex, wo Berührungen verarbeitet werden. Die Elektroden waren jeweils an einen Infrarotsensor auf dem Kopf der Ratte gekoppelt, sodass alle Richtungen abgedeckt waren. Wie von einem dritten Auge, das Infrarotlicht einfängt, erhielt das Gehirn der Ratte völlig neue Sinnesdaten. Nach nur vier Tagen Training begann der Nager tatsächlich, Infrarotlampen in seinem Käfig zu erkennen, berichtet Technology Review in seiner April-Ausgabe (jetzt im gut sortierten Zeitschriftenhandel und im heise shop erhältlich).
Die Forschung geht aber noch weiter. Ziel ist es letztlich, Zwitter aus Tier und Roboter zu erschaffen. Diese Teams sollen eines Tages Aufgaben bewältigen, die einen der beiden Partner allein bisher überfordern. Die Biobots könnten radioaktiv verseuchte Gebäude erkunden, von Erdbeben verschüttete Menschen suchen oder in Anti-Terror-Einsätzen die Wohnungen mutmaßlicher Täter ausspionieren. In diese Richtung geht zum Beispiel die Arbeit einer japanischen Gruppe. Die Wissenschaftler des Research Center for Advanced Science and Technology der Universität Tokio präsentierten Ende 2016 eine Motte, die ein Spielzeugauto per Geruch steuern konnte.
Mehr zu dem Thema lesen Sie im aktuellen Heft von Technology Review (jetzt im Zeitschriftenhandel und im heise shop erhältlich).
(inwu)