Kanada: Uber-Subventionierung statt öffentlicher Nahverkehr
Weil die Einrichtung einer Buslinie zu teuer wäre und auch nicht jedem wirklich helfen würde, subventioniert die kanadische Kleinstadt Innisfil ihren Einwohnern stattdessen über Uber vermittelte Fahrten. Das koste die Stadt weniger als die Hälfte.
Ohne Auto kommt man in Innisfil (Ontario) nicht weit.
(Bild: Michael Gil, CC BY 2.0)
Die kanadische Kleinstadt Innisfil subventioniert ihren Bürgern künftig über Uber vermittelte Fahrten, um sich das Geld für die Einrichtung eines öffentlichen Nahrverkehrs zu sparen. Wie der Toronto Star berichtet, lässt sich die 36.000 Einwohner zählende Stadt das dieses Jahr 100.000 kanadische Dollar kosten – 2018 dann 125.000 Dollar.
Das sei deutlich günstiger als die Einrichtung einer oder mehrerer Buslinien, hatte die Stadt berechnet. So hätte eine Buslinie bestehend aus einem Bus 270.000 Dollar gekostet – wobei die jährlichen Kosten danach unter 200.000 Dollar gefallen wären. Eine Linie aus zwei Bussen hätte 605.000 Dollar gekostet – anschließend zwischen 270.000 und 350.000 Dollar.
Preise wie ein Busticket
Stattdessen will die Stadt nun über Uber gebuchte Fahrten so stark finanziell unterstützen, dass die bezahlten Preise denen eines Bustickets entsprechen. An besonders stark frequentierten Orten sollen außerdem iPads installiert werden, damit Menschen ohne Smartphone Uber nutzen können.
Insgesamt sei das die erste derartige Partnerschaft in Kanada, wo sich Uber genauso wie anderswo heftiger Kritik unter anderem des Taxigewerbes gegenüber sieht. Dessen Vertreter fürchtet dann auch um ihr Geschäft, weil sie gegenüber Uber-Fahrern benachteiligt seien. Die Stadt will dem angedrohten Abzug der Taxis aber nicht tatenlos zusehen, da die für Menschen mit Behinderungen weiterhin gebraucht würden.
Öffentlicher Nahverkehr kann noch kommen
Das der Bedarf für ein Angebot wie die Subventionierung Ubers da ist, sei sicher, meint ein städtischer Angestellter. Recht oft sehe man Menschen fünf Kilometer lange Strecken mangels Alternative einfach laufen. Bislang gibt es lediglich einen Bahnhof am Stadtrand.
Schon 2015 hatten Schüler mit einer Petition die Einrichtung öffentlicher Verkehrsmittel gefordert. Man könne Steuerzahler aber nicht für etwas zur Kasse bitte, das dann nicht alle nutzten, da der Bus nicht zu ihnen fährt, meint der Bürgermeister. Sollte die etwa 80 Kilometer nördlich von Toronto liegende Kleinstadt weiter wachsen, könnte sie aber doch noch öffentlichen Nahverkehr bekommen, erklärte er gegenüber Vice: "2031 oder 2041 oder vielleicht auch schon früher." (mho)