SMS als Lebensretter

Mit einer SMS rettete eine Britin sich und ihre Gefährten vor dem Ertrinken - die erste SMS als Lebensretter, aber nicht das erste Mal, dass Handys im Notfall helfen.

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Von
  • Wolfgang Stieler

Mit einer SMS-Nachricht an ihren Freund hat eine 19-jährige Britin sich selbst und 18 Reisegefährten vor dem Ertrinken gerettet. Nach britischen Medienberichten schickte Rebecca Fyfe, die sich an Bord einer in Seenot geratenen Yacht vor Bali befand, die Nachricht "Contact Falmouth Costguard, we need Help - SOS" an ihren Freund. Die indirekte Form des Hilferufs wählte sie, weil die Akkus ihres Mobiltelefons schon fast leer waren.

Die junge Frau hatte Glück, denn es ist keineswegs garantiert, dass eine SMS ihren Empfänger unverzüglich errreicht: Nick Hodgson, der um 2 Uhr 20 am Mittwochmorgen in Großbritannien von der Botschaft aufgeschreckt wurde, rief seine Freundin zurück und verständigte dann die britische Küstenwache, die zunächst ihre australischen Kollegen alarmierten. Etwa acht Stunden, nachdem Rebecca Fyfe ihren SMS-Notruf losgeschickt hatte, machte sich die indonesische Küstenwache auf die Suche nach den Schiffbrüchigen – nach Angaben indonesischer Behörden ist die havarierte Yacht mittlerweile geborgen.

Mobiltelefone erweisen sich immer öfter als Lebensretter – erst vor kurzem hatte ein verschüttetes Opfer der schweren Erdbeben in Indien per Mobiltelefon die Retter auf sich aufmerksam gemacht. Selbst die deutschen Alpen sind mittlerweile keine handyfreie Zone mehr – der Deutsche Alpenverein und die Bergwacht vermeldeten letzten Sommer, dass der Aufbau eines flächendeckenden gemeinsamen Netzes von D1 und D2 abgeschlossen sei. Bergwacht-Referent Wilhelm Beeker sagte, in einem Tal oder neben einem Felsvorsprung könne es noch Funklöcher geben; äußerstenfalls "muss man eine halbe Stunde gehen, bis es wieder geht". Der Alpenverein lobte die Netzbetreiber Telekom und Mannesmann Mobilfunk, weil sie das wirtschaftlich unrentable Notrufnetz seit 1995 gemeinsam ausgebaut hätten. Auch in Österreich soll unter der Nummer 112 in Zukunft überall die Rettungsleitstelle erreichbar sein. In der Schweiz, in Italien und Frankreich gebe es in den Alpen noch größere Funklöcher.

Bei Autounfällen auf Autobahnen raten Experten hingegen zur Benutzung von Notrufsäulen: Nach einem Handyanruf, meint die Deutsche Verkehrswacht, haben Helfer oft die größten Schwierigkeiten, den Anrufer und die Unfallstelle ausfindig zu machen. Die Meldung von einer der stationären Notrufsäulen dagegen erreicht über die Autobahnmeistereien – zunehmend auch über die deutschen Versicherer – immer die zuständige Rettungsleitstelle. Durch die stationäre Säule sei zudem auch automatisch der ungefähre Standort des Anrufers bekannt. Handynotrufe über 112 oder 110 liefen dagegen zu Rettungsleitstellen, die manchmal mehrere hundert Kilometer weit vom Unfallort entfernt sind. Außerdem scheitere der schnelle Einsatz an den oft falschen Standortangaben. (wst)