Medizin-Hacks gegen Mängel in der medizinischen Versorgung
Abseits von zertifizierten medizinischen Geräten arbeiten Hacker an kostengünstigen Alternativen, um die Versorgung von Patienten zu verbessern. Das ist auch das Ziel von Hackathons, die speziell auf Medizin und Gesundheit ausgerichtet sind.
Ein EpiPen kommt bei einer allergischen Reaktion zur Anwendung. Der Mathematiker Michael Laufer hat eine kostengĂĽnstige DIY-Alternative entwickelt.
(Bild: Greg Friese / Flickr / cc-by-2.0)
Selbstprogrammierte Insulin-Pumpen, kostengünstig zusammensetzbare Adrenalin-Spritzen oder Wearables, gebaut aus teilweise einfachen Mitteln wie Aluminiumfolie und Schwämmen, sind Beispiele für eine zunehmende Bewegung von DIY-Projekten im Medizin- und Gesundheitssektor. Neben diesen Projekten richten sich auch Hackathons auf diesen speziellen Bereich aus. Sie sollen Leute mit innovativen Ideen zusammenzubringen und so Mängel beheben, um die Patientenversorgung zu verbessern. "Die Teilnehmer sind kein verlängerter Arm eines Industriepartners", betont Tobias Gantner gegenüber Technology Review. Er ist Mediziner und Gründer der HealthCare Futurists sowie Initiator solcher Medizin- und Gesundheits-Hackathons.
Im besten Falle können dabei Lösungen entstehen, die kein etablierter Anbieter auf dem Schirm hatte, erklärt er. Als Beispiele nennt Gantner eine App, die das Buch eines Orthopäden über Rückenschmerzen patientengerecht digitalisiert und verständlich aufbereitet hat, oder einen Beipackzettel mit Symbolen in Zeichensprache, damit auch Patienten, die nicht lesen oder kein Deutsch können, die Wirkung und Nebenwirkungen des Medikaments verstehen. "Dazu soll im Prinzip jeder an den Tisch geholt werden, der schon einmal krank war und damit seine Erfahrungen gemacht hat", erklärt Gantner den praktischen Ansatz.
Tobias Gantner ist überzeugt, dass Ansätze wie die von Michael Laufer mit seiner DIY-Adrenalin-Spritze (EpiPencil) und Dana Lewis mit ihren freiverfügbaren Designs für Insulinpump- und Messsysteme (Projekt OpenAPS) einmal eine größere Breitenwirkung haben werden, auf die Arbeit der Ärzte und Krankenhäuser – und auf den hoch regulierten Bereich, den die Krankenkassen erstatten dürfen. "Es bildet sich gerade eine Bewegung der 'Digitalen Supplemente' heraus", beschreibt Gantner und meint damit zum Beispiel Wearables und Tracker. "Sie können sich ein zwölfkanaliges EKG um den Körper schnallen, das ist unkomfortabel und stigmatisierend. Oder Sie können das mit einem Wearable erledigen." Diese Entwicklung sei momentan noch auf "Early Adopters" beschränkt, aber mit dem Generationenwechsel und dem Älter-Werden von heutigen jungen Erkrankten, etwa an Diabetes Typ 1, werde diese Open Source-Orientierung zunehmen.
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(jle)