Welt-Asteroiden-Tag: Wie groß ist die Gefahr aus dem All?

Meterhohe Tsunamis, gewaltige Hitze und druckvolle Stoßwellen: Hollywood hat schon häufig vorgemacht, was beim Einschlag eines Asteroiden auf der Erde passieren könnte. Forscher fanden nun heraus, welcher Effekt der verheerendste für die Menschheit ist.

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Welt-Asteroiden-Tag: Wie groß ist die Gefahr aus dem All?

(Bild: ESA - P.Carril)

Lesezeit: 5 Min.
Von
  • Jan-Nikolas Picker
  • dpa
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Sie heißen "2004 BL86", "2014 JO25" oder "2009 JF1" und die meisten Menschen haben wahrscheinlich noch nie etwas von ihnen gehört. Kein Wunder, die meisten Asteroiden rauschen weit entfernt von der Erde durch das All. Doch manche kommen dem Blauen Planeten ziemlich nahe. Für die Menschheit ging das bislang glimpflich aus, aber was, wenn aus apokalyptischen Science-Fiction-Visionen von Hollywood irgendwann Realität wird?

Bei Asteroiden von bis zu 400 Metern Durchmesser müsste man sich vor allem vor gleichzeitig auftretenden Windstößen und Druckwellen schützen, haben Forscher herausgefunden. Das Team um Clemens Rumpf von der Universität Southampton in Großbritannien hat untersucht, welcher Effekt eines einschlagenden Asteroiden auf der Erde die gravierendsten Folgen für die Menschen, also die meisten Opfer hätte.

Die Studie im Journal Geophysical Research Letters analysiert die Verteilung der möglichen Opfer nach sieben möglichen Effekten: Tsunamis, fliegende Trümmer, Schockwellen, Hitze, Erdbeben, Winde und Kraterbildung.

Alle von der NASA seit 1988 registrierten Feuerkugeln

(Bild: NASA)

Ergebnis: Bei Einschlägen ins Meer führen Tsunamis naturgemäß zu den meisten Opfern. Insgesamt gesehen, geht davon jedoch keine so große Gefahr aus, wie von Einschlägen auf der Erde. Besonders gefährlich sind bei letzteren atmosphärische Druckwellen, die sich mit Überschallgeschwindigkeit ausbreiten, und dabei entstehende starke Winde. Sie sind demnach für über 60 Prozent der Todesopfer bei Einschlägen von Asteroiden bis 400 Metern Durchmesser verantwortlich. Die Wellen, die durch den steigenden Druck in der Atmosphäre entstehen, und Windstöße, die die Druckunterschiede ausgleichen, können Menschen durch die Luft schleudern und Gebäude einstürzen lassen. Der Wind könne die Geschwindigkeit von Orkanen überschreiten.

In ihrem Computermodell ließen die Forscher 50.000 Asteroiden mit 15 bis 400 Metern Durchmesser – die am wahrscheinlichsten auftretenden Größen – auf die Erde treffen. Die Ergebnisse könnten Krisenmanagern bei der Vorbereitung auf einen drohenden kosmischen Einschlag helfen, kommentiert Rumpf in seiner Studie. Bei kleineren Einschlägen könne die Bevölkerung Schutz etwa in Kellern suchen, bei größeren Asteroiden seien Evakuierungen unumgänglich.

Ein Asteroid mit rund 60 Metern Durchmesser trifft laut Rumpf im Schnitt etwa alle 1500 Jahre auf die Erde, ein rund 400 Meter breiter alle 100.000 Jahre. "Die Wahrscheinlichkeit eines Asteroideneinschlags ist wirklich gering. Aber die Konsequenzen können unvorstellbar sein", sagt Rumpf.

Kleinere Körper verglühen häufig in der Atmosphäre – auf der Erdoberfläche bekommt man davon meist nichts mit. 2013 aber explodierte ein etwa 20 Meter großer Meteorit über der russischen Millionenstadt Tscheljabinsk und ließ die Auswirkungen solch gefährlicher Stoßwellen erahnen: Rund 7000 Gebäude wurden beschädigt, etwa 1500 Menschen verletzt.