Schulnoten für den Hausarzt
Ab Mai will die Kieler Stiftung Gesundheit Patienten dazu aufrufen, Ärzte im Internet zu benoten.
Ab 1. Mai will die Kieler Stiftung Gesundheit mit dem Internet-Projekt Patienten-Zufriedenheits-Index (PZI) Patienten die Möglichkeit bieten, ihrem Arzt Noten zu geben. In jeweils neun Kategorien kann dann zu Personal, Praxisausstattung und persönlichem Eindruck ein Urteil abgegeben werden. Der Fragebogen soll zum Starttermin auf der Site der Stiftung unter www.arzt-auskunft.de abrufbar sein.
Zum Ausfüllen des Fragebogens genügten fünf bis zehn Minuten, sagte der Sprecher der Stiftung, Peter Müller. Gespeichert und ausgewertet würden die Antworten anonym; die Ergebnisse sollen zunächst nur den einzelnen Ärzten zugänglich gemacht werden. Die Stiftung Gesundheit verfügt nach eigenen Angaben über eine Datenbank, in der alle deutschen Arzt- und Zahnarztpraxen verzeichnet sind.
"Jeder niedergelassene Arzt kann bei uns bewertet werden", sagte Müller. Es gehe aber nicht nur darum, Schulnoten zu verteilen. Ziel sei es auch, Ärzten Probleme in ihren Praxen aufzuzeigen, um so die Qualität der ärztlichen Versorgung zu verbessern.
Man sei sich darüber im Klaren, dass kein Anspruch auf eine repräsentative Umfrage erhoben werden könne, sagte Müller weiter. Da in Deutschland vergleichsweise wenige Menschen regelmäßig das Internet nutzen, erwarte man für Landarztpraxen oder solche mit überwiegend älteren Patienten keine hohe Zahl an Bewertungen. Trotzdem hofft Müller auf eine ausreichend breite Datenbasis, "um sinnhafte Ergebnisse errechnen zu können".
Die Auswertung will die Stiftung Gesundheit in Zusammenarbeit mit der Universität Kiel durchführen. Die statistische Analyse soll auch Manipulationsversuche erkennen – etwa, wenn unzufriedene Patienten ihrem Ärger mehr als einmal Luft machen oder ein Arzt die eigene Praxis hochlobt. (dwi)