Telecom-Sterben – zu früh und zu heftig

Nach Ansicht des Branchenverbandes VATM wird zurzeit im Verdrängungswettbewerb auf dem Telekommunikationsmarkt die Sense geschwungen.

vorlesen Druckansicht 105 Kommentare lesen
Lesezeit: 2 Min.
Von
  • dpa

Die Marktbereinigung in der Telekommunikation kommt nach Ansicht des Branchenverbandes VATM viel zu früh und zu heftig. "Gegenwärtig wird nicht die Spreu vom Weizen getrennt, sondern mit der Sense geschoren", sagte der Geschäftsführer des Verbandes der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM), Jürgen Grützner, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur über die wachsende Zahl von Insolvenzen und Übernahmen in der Branche.

"Durch die unzulängliche Regulierung würden Investoren davon abgehalten, Geld in die Unternehmen zu stecken", begründete der VATM-Chef diese Entwicklung. So seien die Entscheidungen der Bonner Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post in den vergangenen Monaten zu Ungunsten des Wettbewerbs ausgegangen. Dabei sei es keineswegs so, dass sich alle Geschäftsmodelle der Telekom- Konkurrenten als nicht tragfähig erwiesen.

Nach dem Fall des Sprachmonopols der Deutschen Telekom Anfang 1998 hatten zahlreiche neue Anbieter versucht, den Bonnern Marktanteile abzujagen. Dabei waren die Telefonpreise tief in den Keller gefallen. Der Absturz hat jedoch die Margen so weit schrumpfen lassen, dass nur die wenigsten Anbieter Gewinne erwirtschaften. Firmen wie Teldafax, Callino oder Viatel wurden zahlungsunfähig, andere von Konkurrenten geschluckt. Inzwischen ziehen die Telefonpreise wieder an.

Für die wirtschaftlichen Probleme sind nach den Worten von Grützner meist nicht die Anbieter selbst verantwortlich, sondern die Deutsche Telekom, die die Kosten im Vorleistungsbereich hochgetrieben habe. Hierzu zählte er unter anderem die Gebühren für den Netzzusammenschluss (Interconnection) und die Mehrkosten für technische Einrichtungen an Knotenpunkten (Kollokationsräume). "Das kostet den Unternehmen massiv Geld", sagte Grützner. dpa / (em)