Malaysias erste Chip-Fabrik unter deutscher Beteiligung
Die unter massiver deutscher Beteiligung gebaute erste Computerchip-Fabrik Malaysias ist eröffnet worden.
Die unter massiver deutscher Beteiligung gebaute erste Computerchip-Fabrik Malaysias ist am heutigen Freitag eröffnet worden. "Diese Anlage ist Sprungbrett für den technologischen Fortschritt unseres Landes", betonte Malaysias Ministerpräsident Mahathir Mohamad zur Einweihungsfeier der 1st Silicon Sdn. Bhd. nahe Kuching in der Provinz Sarawak auf der Insel Borneo. Ab jetzt sollen Hightech-Halbleiter aus den Tiefen des Dschungels der Region einen vorderen Platz im Computer-Zeitalter verschaffen – mit Hilfe deutscher Banken und Unternehmen.
Denn an der Finanzierung des 1,7 Milliarden US-Dollar teuren Projekts ist die Ausfuhrkredit-Gesellschaft unter Führung der Commerzbank mit einem Darlehen in Höhe von 206 Millionen US-Dollar beteiligt. Die Jenoptik AG kaufte sich schon für 15 Millionen US-Dollar bei 1st Silicon ein. Und die Stuttgarter Tochter M+W Zander GmbH richtete für 500 Millionen Mark die Reinräume und damit das Herz der Fabrik ein, die zu den modernsten der Welt zählt. Angepeilter Jahresumsatz: Umgerechnet eine Milliarde Mark.
Das Land Sarawak selbst hatte als Teil seiner ehrgeizigen "Vision-2020"-Strategie das Projekt vor zwei Jahren aus der Taufe gehoben, mit 225 Millionen US-Dollar und dem Vorstandschef Claudio Loddo als Macher. "An 1st Silicon erkennt man die Globalisierung", sagt der Sarde. Damit meint er neben den Millionen aus Deutschland und anderswoher auch seine Kundschaft: Die japanische Sharp hat bereits fest die halbe Produktion bestellt, die sich bis zum Jahresende auf 20.000 Wafer pro Monat belaufen soll; der Rest sei auch schon verkauft. Fließen die Investitionen weiter, seien auch 30.000 Stück möglich. Und der Gang des Unternehmens an die US- Technologiebörse Nasdaq ist für nächstes Jahr geplant.
Selbst angesichts eines Abschwungs auf dem US-Computermarkt gibt sich Jenoptik-Vorstandsvorsitzender Lothar Späth hoffnungsfroh mit Blick auf den weißen Fabrik-Komplex im Knie des Sungai-Kuap-Flusses. "Wenn wir hier [aus dem Markt] rausfliegen, weil wir Angst haben, uns mit 30 Millionen Mark zu beteiligen, können wir uns abmelden", meint er. Die Entschlossenheit Malaysias, mit großzügiger Finanzierung, billiger Infrastruktur und Arbeitskräfte groß im Hightech-Geschäft mitzumischen, hält Späth für den richtigen Schritt: "Die überspringen einfach das Industriezeitalter." Und: "Wir müssen aufpassen, dass uns hier nicht eine große Konkurrenz auf den Pelz brennt."
Während derzeit erst 5.000 Wafer monatlich die 9.300 Quadratmeter große Werkshalle verlassen, reiben sich Geschäftsleute in Kuching schon die Hände. Die Hotels sind gut belegt, die Restaurants und der Golfclub voll. Etwa 3.000 neue Arbeitsplätze entstünden durch die Fabrik in der Provinzhauptstadt, schätzt der 1st Silicon-Chef, davon allein 1.000 Spezialisten-Jobs. Und um die teuren Maschinen von den USA ans andere Ende der Welt zu bringen, erzählt Loddo immer wieder gerne, seien sogar Jumbo-Jets auf dem Flughafen von Kuching gelandet. (Frank Brandmaier, dpa) / (jk)