5000 Jahre bis zur elektronischen Textverarbeitung
Ohne die Kulturtechniken Lesen und Schreiben kommt auch das digitale Zeitalter nicht aus; eine Ausstellung der Deutschen Bücherei bringt den Medienwandel näher.
Die Zeiten, als Schreiber Urkunden Wort für Wort mit dem Federkiel übertrugen und Leute in Lesezirkeln das Neueste aus Politik und Gesellschaft vorlasen, sind längst vorbei. Doch ohne die klassischen Kulturtechniken wie Lesen und Schreiben kommt auch das digitale Zeitalter nicht aus. Im Buch- und Schriftenmuseum der Deutschen Bücherei in Leipzig begann am Dienstagabend die Ausstellung "Zwischen moderner Textverarbeitung und traditioneller Aufzeichnungstechnik". Gezeigt werden Unterschiede und Gemeinsamkeiten der 5000 Jahre alten Medienkultur.
Auf nur 90 Quadratmetern drängen sich dicht an dicht Exponate aus fünf Jahrtausenden: Tontafeln, Papyrus, Palmblätter und mittendrin uniforme Computerausdrucke mit Befehlen wie Datei neu oder Formatieren. "Wir haben versucht, aus der Perspektive der modernen Textverarbeitung den Wandel des Wortes und der Gestaltung nachzuempfinden", sagt einer der Ausstellungsmacher. Jedem geschriebenen Wort gehe schließlich die Wahl des Mediums voraus, egal ob Tierhaut oder Pergament.
Was im Computerzeitalter nur einen Mausklick dauert, verlangte noch im 19. Jahrhundert langwierige Verhandlungen. Vor der Einführung der DIN-Norm 1923 hatte nahezu jedes europäische Land seine eigenen Seitenmaße. "Was heute für uns selbstverständlich ist, hat einen langen kulturgeschichtlichen Hintergrund", sagte der Leiter der papierhistorischen Sammlung, Frieder Schmidt.
Neben dem Blick auf die Geschichte und ihren Errungenschaften thematisiert die Schau die Verknüpfung von Internet und Buchdruck. "Wir dürfen nicht blauäugig sein und denken, nur weil ein Buch leicht in die Tasche zu stecken ist, bleibt es unersetzbar", meint Ausstellungsleiterin Hannelore Schneiderheinze. Das Medium Internet ist ihrer Meinung nach der dritte Quantensprung nach dem lateinischen Alphabet und der Einführung des Buchdrucks.
"Bereits heute wirkt laut Expertenmeinung das nicht stoffliche Internet auf das Nutzungsverhalten der Leser. Viele lesen zwar nicht weniger, aber dafür oberflächlicher, zappen durch die Informationen und lassen sich nicht mehr konzentriert auf die Texte ein", sagt die Generaldirektorin der Deutschen Bibliothek, Elisabeth Niggemann, bei der Eröffnung.
Mit der Schau, die noch bis zum 17. Oktober zu sehen ist, geht der Ausstellungszyklus "Gutenberg 2000 – Kommunikationswelten im Umbruch" weiter. Das Buch- und Schriftenmuseum, das 1884 als weltweit ältestes Fachmuseum gegründet wurde, versteht sich als Dokumentationszentrum für Buchkultur. (Tobias D. Höhn, dpa) / (jk)