Die Tyrannei des Klischees: Über Frank Schätzings KI-Roman

Frank Schätzing schreibt in "Die Tyrannei des Schmetterlings" über künstliche Intelligenz, Quantencomputer und das Silicon Valley. Spannend? Ja. Interessant? Naja. Unsere Rezension.

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Die Tyrannei des Schmetterlings

(Bild: Kiepenheuer & Witsch)

Lesezeit: 2 Min.
Von
  • Anton Weste

Frank Schätzing unternimmt mit seinem neuen Roman einen Ausflug in Technologie-Themen der Gegenwart und nahen Zukunft. Insbesondere die Künstliche Intelligenz steht bei seinem "atemberaubenden Thriller" (so der Verlag) im Mittelpunkt.

Die Erzählung folgt einem Sheriff in der alten, verschlafenen Goldgräberregion Kaliforniens. Luther Opoku schlägt sich meist mit allerhand Kleindelikten herum. Doch der Fund einer toten Frau, die unter mysteriösen Umständen in eine Schlucht gestürzt ist, führt ihn als Ermittler zur Forschungsanlage eines Hightech-Konzerns aus dem Silicon Valley – und in unglaubliche Ereignisse, die den Sheriff an seinem Verstand zweifeln lassen.

Der Kölner Autor Frank Schätzing, geboren 1957, wurde 1995 mit dem historischen Roman Tod und Teufel bekannt. Nach zwei weiteren Romanen und einem Band mit Erzählungen sowie dem Thriller Lautlos erschien im Frühjahr 2004 der Roman Der Schwarm, der seit Erscheinen eine Gesamtauflage von 4,5 Millionen Exemplaren erreicht hat und weltweit in 27 Sprachen übersetzt wurde. Seit diesem Titel gilt Schätzing als zugkräftiger Autor für realitätsnahe Science Fiction. Es folgten die internationalen Bestseller Limit (2009) und Breaking News (2014).

Technology-Review-Redakteur Gregor Honsel hat den 736-Seiten-Wälzer gelesen: "Die Tyrannei des Schmetterlings" punktet als hinreichend spannender Thriller. Frank Schätzing schöpft mit selbstherrlichen Quantencomputern, Paralleluniversen, Nanobots, genmanipulierten Insekten, Unsterblichkeit, Singularität, und der Roboter-Apokalypse aus vielen Schubladen des Genres. Die Figuren schleppen viele Klischees mit sich herum, die Handlung ist eher auf eine spätere Verfilmbarkeit als auf Plausibilität ausgelegt. Das wäre alles verzeihlich, wenn denn das Werk das leisten würde, was Science Fiction ausmacht: Zukunftsszenarien konsequent oder zumindest originell zu durchdenken. Doch hier sieht es mager aus. Schätzing verharrt auf dem Acker, den schon viele Autoren vor ihm bestellt haben.

Zur Rezension auf Technology Review online:

(anwe)