"One Share - One Vote" auch bei SAP
Deutschlands größtes Softwarehaus, SAP, will alle Aktionäre an der Firmenpolitik beteiligen.
Deutschlands größtes Softwarehaus, SAP, will alle Aktionäre an der Firmenpolitik beteiligen. Was sich in der Unternehmensmeldung wie eine belanglose "Vereinfachung der Kapitalstruktur" liest, soll jedem Anteilseigner ein Stimmrecht in Hauptversammlungen verschaffen und hat den SAP-Aktienkurs am heutigen Mittwoch kräftig aufgemischt.
Bislang gab es in Deutschland zwei Sorten von SAP-Anteilen: 183 Millionen Stammaktien, zu 63 Prozent in Händen der Firmengründer, berechtigen ihre Besitzer zur Mitsprache ums Unternehmensgeschick. Die 131,7 Millionen Vorzugsaktien, deren Kurs traditionsgemäß über dem der Stammaktien lag, sind mit keinem Stimmrecht verbunden, bringen aber zum Ausgleich eine höhere Dividende.
In der Erwartung, dass in der Zukunft nur noch eine Aktiensorte je Unternehmen im deutschen Aktienindex Dax berücksichtigt wird, will SAP seine Vorzugsaktien im Verhältnis eins zu eins in Stammaktien umtauschen – vorausgesetzt, die Aktionäre stimmen diesem Antrag auf der nächsten Jahreshauptversammlung im Mai zu. Wenn es dazu kommt, wird sich der Einfluss der Gründungsaktionäre von über 63 auf etwa 39 Prozent verringern. Die Umwandlung soll den bisherigen Inhabern von Stammaktien zudem einen größeren Anteil am Gewinn verschaffen. Die Dividende werde vereinheitlicht und orientiere sich am höheren Niveau der bisherigen Vorzugsaktie, kündigte SAP an. Die vereinfachte Aktienstruktur soll SAP am Kapitalmarkt flexibler machen und die Bewertung des Unternehmens erleichtern.
Während die Vorzugsaktien einige Stunden brauchten, um einen fünfprozentigen Kurseinbruch nach SAPs Ankündigung wieder aufzuholen, stieg der Wert der Stammaktien seit heute früh um bislang 25 Prozent. (hps)