Bechtle-Gründer Klenk hebt Kinder-Stiftung aus der Taufe
Was macht ein Unternehmer und Firmengründer, der aus dem aktiven Geschäftsleben ausgeschieden ist? Er gründet etwas Neues, bringt Geld und Management-Know-how ein. Wie zum Beispiel Ralf Klenk.
Bechtle-Gründer Ralf Klenk
(Bild: Klenk)
Lieber Ralf Klenk,
am Wochenende las ich in einer Meldung, dass zwei von drei Managern in deutschen Unternehmen "erkennbar unter dauernder psychischer und physischer Erschöpfung" leiden. Sie sind ausgebrannt und ausgelaugt, können nicht mehr abschalten und sich erholen. Burnout also. Dennoch ist nur für einen Bruchteil der Manager eine Veränderung ihres beruflichen Umfeldes oder gar eine komplette Neuorientierung der Lebensziele ein Thema. Wesentliche Gründe für das Festhalten am Leiden dürfte die Angst vor dem gesellschaftlichen Abstieg und dem Verlust des erreichten Lebensstandards sein, Häuser, die abbezahlt werden müssen, und Kinder, deren Studium zu finanzieren ist.
Es gibt aber auch andere. Solche wie Sie zum Beispiel. Sie sind der Gründer der Bechtle AG, haben die Firma in mehr als 25 Jahren zu einem Unternehmen mit über 4.000 Mitarbeitern und an die 1,5 Milliarden Euro Umsatz gemacht. Ende vergangenen Jahres haben Sie, 50-jährig, das Kommando offiziell an Ihren Nachfolger Dr. Thomas Olemotz abgegeben, waren aber noch bis Ende April in der Firma aktiv, um den Übergang zu begleiten. Sie haben heute noch ein Büro in der Neckarsulmer Firmenzentrale, wenn auch nicht mehr in der dritten Etage, der Vorstandsetage, und Sie sind auch noch immer unter der E-Mail-Adresse ralf.klenk@bechtle.com erreichbar. Das zeigt, dass Sie dem Unternehmen nach wie vor eng verbunden sind. Eine offizielle Funktion üben Sie bei Bechtle derzeit allerdings nicht aus. Manche meinen, dass Sie im kommenden Jahr, wenn Bechtle-Aufsichtsratschef Gerhard Schick aus Altersgründen sein Amt aufgeben wird, an seine Stelle treten werden. Das wird man sehen.
25 Jahre Bechtle-Aufbauarbeit geht an die Substanz. 25 Jahre permanente Höchstleistung, Energie und Disziplin fordern ihren Tribut. Verschleißerscheinungen sind kein Wunder. Jeder hat Verständnis und wird es Ihnen gönnen, wenn Sie nach diesen 25 Jahren einen Strich ziehen, sich eine Villa in Florida kaufen und sich für den Rest des Leben mit dem Bauch in die Sonne legen. Aber das tun Sie nicht. Noch kaum aus dem aufreibenden Geschäft eines Vorstandsvorsitzenden raus, machen Sie sich schon wieder ans Gründen. Nur eben diesmal anders. In den vergangenen Wochen haben Sie den Grundstein gelegt nicht zur Gründung einer neuen Firma, sondern einer Stiftung, nämlich der Stiftung "Große Hilfe für kleine Helden". In enger Zusammenarbeit mit der SLK-Kinderklinik Heilbronn entsteht eine Stiftung, deren Ziel und Aufgabe die Unterstützung kranker Kinder und ihrer Familien vor allem während des Klinikaufenthaltes ist. Sie haben nicht nur den Stein ins Rollen gebracht und die Initiative ins Leben gerufen, sondern auch die Initialfinanzierung bereitgestellt. Sie möchten nicht, dass die Summe veröffentlicht wird, die Sie aus Ihrem Privatvermögen zur Verfügung gestellt haben, aber sie ist beträchtlich.
Lieber Herr Klenk, Sie und Ihre Familie haben vor einigen Jahren nach langem Kampf Ihren damals elfjährigen Sohn Markus verloren, der einer unheilbaren Krebserkrankung zum Opfer fiel. Sie haben damals festgestellt, dass vieles, was getan werden könnte, wegen Geldmangel nicht getan werden kann. Das reicht vom Personal (Ärzte) bis zu den medizinischen Gerätschaften. Sie wollten aber nicht nur eine Geldspende abgeben, sondern Sie haben auch festgestellt, dass die interne Organisation der karitativen Einrichtungen in den Kliniken nicht optimal ist und zum Teil sogar unprofessionell. So agieren mehrere Vereine unkoordiniert nebeneinander und stehen sogar im Wettbewerb zueinander, wenn es zum Beispiel um Fördergelder geht. Also haben Sie sich mit Klinikleitungen, dem medizinischen Fachpersonal, den bereits bestehenden karitativen Vereinen mit ihren zahlreichen ehrenamtlichen Helfern zusammengesetzt und in vielen Gesprächen und Diskussionsrunden den Grundstein für mehr Professionalität gelegt. Dazu gehört unter anderem, dass in der neuen Stiftung "Große Hilfe für kleine Helden" drei hauptamtliche Mitarbeiter beschäftigt sind. Zur Aufgabe des Stiftungsvorsitzenden gehört neben der Öffentlichkeitsarbeit unter anderem auch die Beschaffung weiterer finanzieller Mittel. Jede Spende ist willkommen, von der 5-Euro-Überweisung bis zur Erbschaft. Sie selbst, lieber Herr Klenk, gehören dem fünfköpfigen Stiftungsrat an; ebenfalls an Bord neben SLK-Geschäftsführer Dr. Thomas Jendges und Kinderklinikdirektor Prof. Walter Kachel ist Tilmann Distelbarth, Verleger und Geschäftsführer der größten Tageszeitung in der Region, der "Heilbronner Stimme", die auch bereits ausführlich über Ihr Engagement und die neuen Stiftungsaktivitäten berichtet hat.
Lieber Herr Klenk, niemand hat Sie gezwungen, Ihr sauer verdientes Geld und Ihre Energie (schon wieder haben Sie eine 60- bis 70-Stunden-Woche) in dieses karitative Projekt zu investieren. Niemand würde Sie schief ansehen, wenn Sie Ihr Leben jetzt einfach genießen. Was Sie tun, tun Sie freiwillig. Dieses vorbildliche Engagement verdient Respekt, Anerkennung und nicht zuletzt auch Dank.
Beste Grüße
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