"Das Medium ist die Botschaft"
Am heutigen Samstag wäre Marshall McLuhan, der wohl einflussreichste Medientheoretiker, 90 Jahre alt geworden.
Der Medientheoretiker Herbert Marshall McLuhan (21. Juli 1911 bis 31. Dezember 1980), der eigentlich Professor für englische Literatur an der Universität von Toronto war, wäre heute 90 Jahre alt geworden. Auch wer ansonsten kaum etwas von McLuhan gehört oder gar gelesen hat, kennt zumindest einige seiner bekannten Slogans: "Das Medium ist die Botschaft" etwa, die Rede vom "globalen Dorf", vom Verschwinden des Raums ("Elektronische Medien ... schaffen die Raumdimension ab.") oder das Verständnis von Medien als Erweiterungen der menschlichen Organe und Sinne. Gerade die Eingängigkeit und Radikalität mancher seiner Sätze ließ ihn bei seinen akademischen Kollegen unbeliebt werden, die ihn oft als Scharlatan betrachteten: "Gutenberg machte aus jedem einen Leser. Xerox machte aus jedem einen Verleger."
Im Zentrum seiner Überlegungen, deren Thema die Alltagskultur und die Welt der "magischen Kanäle" von Radio und Fernsehen waren, die aber für die durch das Internet stattfindenden Umbrüche wieder aufgegriffen wurden, stand für McLuhan die These, dass die Medienentwicklungen der westlichen Kultur nicht unbedingt einer Logik des Zerfalls folgen: Der Niedergang der bislang gesellschaftsprägenden Buchkultur – der "Gutenberg-Galaxis" – kann auch den Aufgang neuer Sinnlichkeiten bedeuten, anstelle der Literalität zeichne sich eine neue Oralität ab (Rockmusik etc) ab. Die durch die Schrift verlorene Sinnlichkeit kehrt mit den neuen Medien wieder zurück.
Von 1967 bis 1968 lehrte McLuhan an der Fordham University in New York und erlebte dort den Höhepunkt seines Ruhmes. Er wurde zum Fernsehstar, war hochbezahlter Berater für Unternehmenskommunikation bei General Electric, wurde von Werbe-Guru Howard Gossage unter die Fittiche genommen, prangte als weltweit meistdiskutierter Intellektueller 1967 auf der Titelseite von Newsweek, Tom Wolfe schrieb über ihn im New York Herald Tribune und auch im Playboy tauchte der Theoretiker als Interviewpartner auf. 1967 veröffentlichte er überdies "The Medium is the Massage", sein wohl mediengerechtestes Buch: "Das Rad ist eine Erweiterung des Fußes, das Buch ist eine Erweiterung des Auges. Die Kleidung, eine Erweiterung der Haut, die elektrische Schaltungstechnik eine Erweiterung des Zentralnervensystems".
Dann wurde es zunehmend ruhiger um den wichtigsten Kommunikationswissenschaftler Kanadas, der erst wieder mit dem Internet entdeckt wurde. Als im Frühjahr 1993 die erste Ausgabe der Zeitschrift Wired erschien, benutzte man für das das mehrseitige, in großen Lettern gedruckte Intro Sätze von Marshall McLuhan aus seinem Buch "Understanding Media". 1980 starb McLuhan an einem Herzschlag.
Mehr in Telepolis: McLuhan, Magier des Medienzeitalters. (fr)