Tech-Mitarbeiter kritisieren Verträge mit Sicherheitsbehörden

Autonome Waffen unterstützen? Vergiss es. In den USA scheint in Tech-Konzernen das Bewusstsein für die ethische Verantwortlichkeit zu wachsen.

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Tech-Mitarbeiter kritisieren Verträge mit Sicherheitsbehörden

Rückführung an der US-Grenze.

(Bild: ICE / PD)

Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Will Knight
  • Inge Wünnenberg
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Ein aktuelles Beispiel ist die Reaktion von Amazon- und Microsoft-Mitarbeitern auf die Null-Toleranz-Politik, mit der die Trump-Regierung gegen illegal die US-Grenze überquerende Einwanderer vorgeht.

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Zu den im Frühjahr in Kraft getretenen Maßnahmen gehörte es, Kinder von ihren Eltern zu trennen. Für die Umsetzung war die als Immigration and Customs Enforcement (ICE) firmierende Kontrollbehörde zuständig. Doch aufgrund der massiven öffentlichen Proteste nahm Präsident Trump Ende Juni von der Praxis wieder Abstand.

Ein Teil der Microsoft-Belegschaft nahm nun Anstoß daran, dass der Konzern noch im Winter verkündet hatte, man sei stolz, die ICE zu unterstützen. Das Unternehmen könne helfen, "die Gesichtserkennung und -identifikation zu beschleunigen". Rund 100 Mitarbeiter forderten daraufhin in einem offenen Brief, die Verträge mit der Behörde zu kündigen. Inzwischen hat sich die Zahl der Unterstützer laut der Webseite Gizmodo auf 300 Beschäftigte erhöht.

Ähnlicher Unmut äußerte sich bei Amazon. Im Mai hatte die Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union erklärt, dass der Konzern seine Gesichtserkennungssoftware offensiv an Polizei- und Regierungsbehörden vertrieben habe. Nach der Offensive gegen illegale Einwanderer reagierte nun eine Reihe von Amazon-Mitarbeitern mit Protesten und einem offenen Brief an Bezos: "Wir weigern uns, die Plattform für die ICE aufzubauen, und wir weigern uns, Instrumente mitzuentwickeln, die dazu beizutragen, die Menschenrechte zu verletzen."

Noch hält sich das Ausmaß der Reaktionen in Grenzen. Die 300 Protestierenden bei Microsoft sind bei geschätzten 120.000 Angestellten keine große Gruppe. Offensichtlich ließ sich die Masse der Angestellten von Geschäftsführer Satya Nadella beruhigen, der das Engagement von Microsoft herunterspielte. Er sagte, es würde lediglich um die Unterstützung beim Management von Dokumenten sowie von Mail-, Kalender- und Messagingfunktionen gehen.

Dennoch sind die Proteste bemerkenswert. Dass Mitarbeiter von Technikkonzernen vermehrt Bereitschaft zeigen, sich gegen Aufgaben zu wehren, die sie für unethisch halten, ist neu. Vorreiter waren die Google-Beschäftigten. Sie reagierten mit erheblichem Protest auf den Einsatz von Googles Künstlicher-Intelligenz-Technologie durch das US-Verteidigungsministerium.

Das sogenannte Project Maven sollte unter anderem die Genauigkeit von Drohnenschlägen verbessern. Neben Kündigungen gab es eine Petition, die am Ende 4.000 Mitarbeiter unterschrieben. Darin hieß es, die Belegschaft habe Angst, die Technik könnte beitragen, die Kriegsführung in Zukunft zu automatisieren und die Waffensysteme weniger fehleranfällig zu machen.

Die Google-Protestierer konnten einen Erfolg für sich verbuchen, der bei den Kollegen der anderen Tech-Konzerne noch aussteht. Google kündigte an, den 2019 auslaufenden Vertrag mit dem Pentagon nicht zu verlängern. Außerdem stellte CEO Sundar Pichai Ethikregeln für die Entwicklung von KI im Konzern auf. Die neuen Prinzipien fordern etwa, dass die Technologie der Gesellschaft zugute kommen und der Öffentlichkeit gegenüber rechenschaftspflichtig sein soll.

Google würde nicht zulassen, dass seine Technologie verwendet werde, um etwas zu entwickeln, das Schaden anrichten könnte wie "Waffen oder andere Technologien". Außerdem wolle sich Google nicht an der Entwicklung von Überwachungstechnologien beteiligen, die gegen international anerkannte Menschenrechtsnormen oder gegen internationale Gesetze verstoßen.

Trotzdem gebe es auch viele alltägliche Anwendungen von KI in der Verteidigungsindustrie, führte Pichai aus. Diesem potenziell riesigen Markt will sich Google nicht grundsätzlich verschließen. Nun bleibt abzuwarten, wie die anderen Technikriesen dieser Herausforderung begegnen.

(inwu)