Post aus Japan: Und die innovativste Stadt der Welt ist ...

Eine Stadt in Nippon hat als erste asiatische Metropole den ersten Preis in einem globalen Innovationsranking gewonnen. Sie trägt die Olympischen Spiele 2020 aus.

vorlesen Druckansicht 1 Kommentar lesen
Post aus Japan: Und die innovativste Stadt der Welt ist...

(Bild: "Tokyo skyline" / tetedelart1855 / cc-by-2.0)

Lesezeit: 4 Min.
Von
  • Martin Kölling
Inhaltsverzeichnis

Die Meldung passt zu dem Vorurteil vom technikverliebten Japan. Gemeinhin wird mehr oder weniger zu Recht angenommen, dass das Land global Techniktrends setzt. Und wenigstens in einer Statistik tut dies wenigstens Tokio. Der kommerzielle Datensammler 2thinknow kürte Japans Hauptstadt zur innovativsten von 500 Städten in aller Welt. Im jüngsten "Innovation Cities™ Index" des Anbieters schob sich die Millionenmetropole gerade so an London vorbei und führt damit als erste asiatische Stadt überhaupt das Städteranking an.

Post aus Japan
Post aus Japan

Japan probiert mit Elektronik seit jeher alles Mögliche aus - und oft auch das Unmögliche. Jeden Donnerstag berichtet unser Autor Martin Kölling an dieser Stelle über die neuesten Trends aus Japan und den Nachbarstaaten.

Nun ist es mit Rankings immer so eine Sache, besonders wenn sie so breit wie das von 2thinknow angelegt sind. Die Juroren verwenden 162 Indikatoren. Dabei konzentrieren sie sich nach eigenen Aussagen auf die Anwendung von Technologien für neue Lösungen für die Städte von heute. Aber sie versprechen, dass Städte mit höheren Werten als die besseren Ziele für Investitionen gelten würden. Eine steile Behauptung. Doch immerhin: Tokios Zickzackkurs seit der Aufnahme in das seit 2007 laufende Ranking suggeriert mir, dass diese Rangliste wenigstens eine gewisse Aussagekraft besitzt.

Tokio stieg 2009 auf dem neunten Platz in das Ranking ein und rutschte bis zum Ranking fĂĽr Jahr 2012/13 auf Platz 25 ab. Damals lag Japans Hauptstadt sogar hinter ihrer regionalen Rivalin Seoul in Korea. Doch seit 2014 geht es steil bergauf mit Nippons Zentrum. 2015 kletterte Tokio schon auf den zehnten, im Ranking fĂĽr 2016/17 sogar auf den dritten Platz.

Dieses Jahr habe der Aufstieg der Tokioter die Juroren richtig überrascht, sagt 2thinknows zuständiger Datenmann Christopher Hire "Sie zeigen eine klare Richtung, indem sie smarte Technologien und Wandel umarmen, um Innovationen anzuführen." Außerdem führe Tokio bei zwei Megatrends, die die Welt erschütterten: Robotik und die neuen Herstellungsverfahren mit 3D-Druckern. Allerdings war die Entscheidung zwischen der britischen und japanischen Hauptstadt knapp.

Dieser Aufstieg Tokios leuchtet mir ein. Denn sie geht einher mit dem Amtsantritt von Ministerpräsident Shinzo Abe Ende 2012. Er machte es zu seinem persönlichen Ziel, die olympischen Sommerspiele 2020 nach Tokio zu holen. Und er hatte Erfolg. Nun will er mit massiven finanziellen und verbalen Ermutigungen die Konzerne und Forschungsinstitute dazu bringen, das globale Sportspektakel als Bühne für Hightech Made in Japan zu nutzen.

Mehr Infos

Konzerne wie NEC wollen mit neuester Gesichtserkennung den Zugang in Sportanlagen kontrollieren. Die Autohersteller sind angehalten, wenigstens auf festgelegten Strecken Roboterautos und -taxis zu demonstrieren. Übersetzungssoftware wird entwickelt, um Touristen bei Arztbesuchen oder anderswo zu helfen. Die Stadt Tokio kauft derweil en gros Wasserstoffbusse von Toyota. Und Softbanks Pepper-Roboter wird wahrscheinlich auch die Gelegenheit nutzen, sich weiter zu vermehren. Schon jetzt steht er zu hunderten meist als unterbeschäftigter Grüßaugust in Geschäften und Hochhauslobbies herum.

Doch auch an einem anderen Punkt spiegelt das Ranking Japans Forschungslandschaft recht gut wieder, besonders im Vergleich mit deutschen Städten: Japan ist hoch zentralisiert. Als zweite japanische Stadt folgt Japans zweitgrößte Industriemetropole Osaka auf Platz 45 im Innovationsranking. Dort haben viele Elektronikkonzerne wie Panasonic ihren Hauptsitz. Dann kommt irgendwann die alte Kaiserstadt Kioto. Und das war dann auch Japans Präsenz unter den 100 innovativsten Städten.

Das bundesstaatliche Deutschland spielt zwar nicht ganz oben mit, ist aber dafür in der Breite deutlich besser aufgestellt. Berlin ist auf den 14. Rang geklettert. Aber immerhin folgen dann mit München, Hamburg, Frankfurt, Stuttgart, Düsseldorf, Leipzig und Köln noch sieben weitere Platzierungen in den Top 100.

Hire glaubt sogar, zwei weitere Trends aus seinen Zahlen ablesen zu können. Der eine ist strukturell: Die großen Megacities dominieren zwar das Ranking, aber verglichen mit ihrer Einwohnerschaft boxen viele kleinere Städte oberhalb ihrer Gewichtsklasse, sagt Hire. "Es ist das Jahr der großen Städte mit ihren materiellen und der kleinen Städte mit digitalen Netzwerken."

Zweitens scheinen die amerikanischen Städte wichtiger zu werden als globale Knotenpunkte für Innovationen. Die Boomregion der letzten Jahrzehnte, Asien, schickt hingegen weniger Städte als zuvor in die Rankings. Aber dafür scheint sich die innovative Kraft stärker in wenigen Zentren zu konzentrieren, so die Datenforscher. Tokio ist dafür das beste Beispiel.

()