Auf der Suche nach dem Markt - Möbelkauf im Internet

Nur wenige Pioniere wagen sich an den Möbelkauf per Internet; erste Gehversuche werden zurückhaltend beobachtet.

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Von
  • Bernd Glebe
  • dpa

Möbel Hellmonds ist in Ostdeutschland ein Begriff. Den Einstieg in den westdeutschen Markt hat das in Wismar in Mecklenburg-Vorpommern ansässige Unternehmen trotz Investitionen von über einer Million Mark nicht geschafft. Nun will Geschäftsführer Gerhard A. Hellmonds über das Internet neue Käuferschichten erschließen. Seit Mitte Februar kann online die künftige Schrankwand zusammengestellt und bestellt werden. Ausgeliefert wird bundesweit und ins europäische Ausland. Damit entwickelt sich das Unternehmen gegen den allgemeinen Trend in der Branche.

"Wenn uns der herkömmliche Markt nicht will, dann suchen wir uns eben einen neuen", begründet Hellmonds das Internet-Engagement. Gegründet wurde mit der Furny-direct.de GmbH eine hundertprozentige Tochter der Hellmonds Möbelwerke GmbH. Auf 200.000 Mark beliefen sich die Kosten für Entwicklung und Werbung. Für das laufende Jahr rechnet der Geschäftsführer mit nochmals 100.000 Mark Werbekosten.

Mindestens zwei Jahre soll der neuen Tochter Zeit gegeben werden, sich zu entwickeln. "Wir verkaufen schließlich keine Bücher oder Sex-Artikel", begründet Hellmonds den langen Atem. Der Verkauf von größeren Produkten im Netz sei erfahrungsgemäß eher zäh. Die Umsatzprognose ist für 2001 daher vorsichtig angesetzt. "Wenn wir 100.000 Mark im ersten Jahr schaffen, wäre das schon ein Riesenerfolg."

Die Entwicklung für das Online-Projekt dauerte rund ein Jahr. Eine im nordrhein-westfälischen Lemgo sitzende Internet-Agentur realisierte den Auftritt. Abheben wollen sich die Wismaraner von der Konkurrenz durch die Möglichkeit, dass im Netz die neue Schrankwand oder anderer Einrichtungen individuell nach Größe, Form und Ausstattung zusammengestellt werden können. Pioniere sind die Möbelwerke mit ihrem Auftritt zwar nicht. "Die meisten Konkurrenten präsentieren aber nur ihre Produkte im Internet. Der Online-Kauf ist bei diesen Unternehmen kaum machbar", berichtet Hellmonds.

Das bestätigt auch der Verband der Deutschen Möbelindustrie (VDM). Über die ersten Gehversuchen der Branche beim Verkauf im Netz äußerte sich der in Bad Honnef sitzende Verband aber zurückhaltend. "Den klassischen Verkaufsweg kann und wird der Internetverkauf nicht ersetzen", ist sich Verbandssprecher Achim Hannott sicher. Der Kunde werde das Medium vor allem als zusätzliche Informationsquelle benutzen. "Das ersetzt aber nicht das Anfassen und Einsitzen."

Informationen im Netz können über das Unternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern bereits seit 1998 abgerufen werden. Die Homepage ist in Deutsch, Englisch und Französisch verfasst. Seit dem Start hat es nach Informationen des Geschäftsführers rund 250.000 Zugriffe auf die Seiten gegeben. Hellmonds schätzt, dass rund drei Prozent dieser Gruppe Testkäufe im Netz machen wird. Vor allem die 20- bis 45-Jährigen hat er im Visier. Die Möbel sollen bis zu 25 Prozent unter dem Ladenpreis angeboten werden. Nach Berechnungen der Deutschen Bank belief sich der Umsatz im E-Commerce 1999 in Deutschland auf 1,6 Milliarden Euro. Das Kreditinstitut sowie der Bundesverband Informations- und Kommunikations-Systeme gehen bis 2004 von einem Anwachsen des Umsatzes auf fast 400 Milliarden Euro im elektronischen Handel aus. Zu ähnlichen Prognosen gelangt auch das Marktforschungsunternehmen Forrester Research.

Hellmonds will mit seiner Internet-Tochter perspektivisch zehn Prozent am Gesamtumsatz der Möbelwerke erwirtschaften. Für das abgelaufene Geschäftsjahr rechnet der Geschäftsführer mit einem Umsatz von rund 25 Millionen Mark, 2001 soll nochmals ein Plus von fünf Millionen Mark erzielt werden. Hauptgeschäftspartner des ostdeutschen Unternehmens ist der schwedische Möbelkonzern Ikea, der weit mehr als die Hälfte des Auftragsvolumens ausmacht. Bis 2004 läuft der Vertrag mit dem schwedischen Unternehmen mit Deutschlandsitz im hessischen Wallau. (Bernd Glebe, dpa) / (jk)