Elektronische Ohren sollen Schusswechsel aufspüren

Die Polizei von Willowbrook (Los Angeles) testet dieser Tage ein neues Schusswechsel-Ortungssystem.

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Von
  • Daniel Lüders

Die Polizei von Willowbrook (Los Angeles) testet dieser Tage ein neues Schusswechsel-Ortungssystem. Mit ihm soll es möglich sein, den Ursprungsort einer Schießerei bis auf acht Meter genau bestimmen zu können.

Man griff zu dieser Maßnahme, da in dem Stadtteil Schießereien mittlerweile so alltäglich wie Buttertoast geworden seien. Daher schrecke auch kaum jemand mehr auf, wenn es mal wieder ein kleineres Scharmützel gebe – und die Polizei verständige auch niemand mehr. Alleine 1997 wurden in Willowbrook 89 Morde, 400 Feuergefechte und 660 Verhaftungen aufgrund illegalen Waffenbesitzes verzeichnet. Nur ungefähr zwölf Prozent aller Verbrechen wurden überhaupt noch gemeldet. Gesetzeshüter auf Streife seien deshalb besonderen Gefahren ausgesetzt, da sie ohne Vorwarnung jederzeit in eine nicht gemeldete Schießerei geraten könnten.

Das neue ShotSpotter-System, das seine Informationen über an Privathäusern und öffentlichen Gebäuden angebrachte Sensoren bekommt, sendet bei einem als Schuss erkannten Geräusch sofort ein Warnsignal. Danach kann die Polizei auf einer elektronischen Karte den ermittelten Ort des Geräusches sehen. Nach dem Einsatz und der Sicherung des Tatortes kann dann bei Bedarf vom Streifenwagen aus sogar eine automatische Telefonkette im Umkreis der Nachbarschaft in Gang gesetzt werden, um per elektronischem Interviewsystem das Auffinden von Zeugen zu erleichtern.

Das Büro des Sheriffs sieht in dem ShotSpotter-System einen echten Fortschritt, da man nun womöglich schneller am Ort eines Verbrechens sein kann. Viele der betroffenen Anwohner sind jedoch der Ansicht, man hätte die 277.000 US-Dollar, die das System gekostet hat, lieber in die Nachbarschaftshilfe stecken sollen. Nach ihrer Meinung dient das System nur dem Schutz der Sheriffs und Deputies, während die Sicherheit der Bürger auf der Straße bleibt.

So ganz fehlerfrei scheint das System auch noch nicht zu laufen. Immerhin stellten sich von 853 ermittelten "Schüssen" in einem Zeitraum von 41 Wochen 569 als andere Geräusche heraus. (dal)